Impressionen von der New York Fashion Week

Das am meisten diskutierte Accessoire während der New York Fashion Week war das Apple IPhone 6. Es beherrschte die Schlagzeilen auf den Wirtschaftsseiten der Print- und Onlinezeitungen und die Modeberichterstattung.

Das Mobiltelefon ist ein unentbehrliches Accessoire, das die ständige Erreichbarkeit und die Präsenz in den sozialen Netzwerken sichert, und es ist ein Fashion Statement. Es macht einen Unterschied in der eigenen und der sozialen Wahrnehmung, ob jemand ein Handy von Apple, Samsung oder LG Electronics trägt.
Den größten Coolness-Faktor hat noch immer das Apple IPhone, danach folgt das Galaxy von Samsung. Während der New York Fashion Week wurde das südkoreanische LG gepusht, das gegenüber Apple und Samsung im Rückstand liegt. Das Unternehmen LG Electronics, nach Samsung der zweitgrößte Handyhersteller in Südkorea, hat vor zwei Jahren die Veranstaltungen der New York Fashion Week, die in den Milk Studios downtown stattfanden, gesponsort. In diesem Jahr unterstützte es das Konzert „Fashion Rocks“, das die Verbindung von Mode und Musik beschwor. Auch die Londoner Fashion Week wird von LG Electronics gesponsort. Das Unternehmen hat begriffen, dass Handys Accessoires sind, die nicht nur nach dem Kriterium der Funktionalität beurteilt werden.

Fast jede Frau hält ständig ein Handy in der Hand, meistens zusätzlich zur Handtasche, manchmal jedoch scheint das Handy sogar an die Stelle der Handtasche zu treten.

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Wo aber sollen Schlüssel, Lippenstift und Taschentuch untergebracht werden? In das neue Apple IPhone wird sogar ein elektronisches Bezahlsystem integriert, aber noch dürfte es die Geldbörse nicht ersetzen.

Mehr zur New York Fashion Week SS 2015:

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Fashion Week als Ort der Unterhaltungsindustrie. Von Rose Wagner HIER LESEN >>

Text & Fotos: Rose Wagner

Einen Monat lang, von Anfang September bis in den Oktober hinein, finden nacheinander die wichtigsten Modewochen statt. Auf die New York Fashion Week folgen London, Mailand und Paris. Designer, Einkäufer, Models, Journalisten, Fotografen, Blogger und Zaungäste, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, gebensich wieder ein Stelldichein.
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Zaungäste. Foto © Rose Wagner

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Bill Cunningham, der legendäre Modefotograf der New York Times, im Einsatz. Foto © Rose Wagner

In New York wurde die erste Modewoche im Jahr 1943 veranstaltet, als die Stadt wegen des Zweiten Weltkriegs vom Pariser Luxusmarkt abgeschnitten war. Heute gibt es konkurrierende Veranstaltungen. Die offizielle New Yorker Modewoche ist die Mercedes Benz Fashion Week. Sie wird von der Veranstaltungsagentur IMG Worldwide organisiert, die die Rechte daran von der New Yorker Modekammer – Council of Fashion Designers of America – kaufte. Zur den Sponsoren der Mercedes Benz Fashion Week gehört das Kosmetikunternehmen Maybelline. Die Schauen finden im Lincoln Center statt, direkt neben der Metropolitan Opera. Seit neuestem gehört IMG der Künstleragentur William Morris Endeavor Entertainment and Silver Lake Partners, die viele international bekannte Musiker
und Schauspieler vertritt.

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Posierendes Model. Foto © Rose Wagner

Seit einigen Jahren wird parallel zur Mercedes Benz Fashion Week die MADE Fashion Week abgehalten, für die die Creative Artists Agency verantwortlich zeichnet. Sie zieht jüngere Designer an, die sich erst noch einen Namen machen müssen und solche, die ein unkonventionelles Ambiente bevorzugen. Deren Kollektionen werden downtown in den Milk Studios gezeigt, einem alten Industriegebäude, das weniger gelackt ist als das Lincoln Center. Die MADE Fashion Week wird vom Mercedes-Benz-Konkurrenten Lexus gesponsort.

Zwei Entwicklungen traten bei der New Yorker Modewoche besonders deutlich hervor: Immer mehr Designer kooperieren mit Unternehmen, beispielsweise entwirft Alexander Wang neuerdings Hüllen für Samsungs Galaxy Handy, und Isaac Mizrahi arbeitet mit Chevrolet zusammen und liefert Accessoires, die das Design der Automarke widerspiegeln.

Die Fashion Week wird immer stärker zu einem Teil der Unterhaltungsindustrie. Dass Schauspielerinnen und Sängerinnen in der ersten Reihe sitzen, ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass sie mittlerweile immer häufiger Modejournalisten auf hintere Plätze verdrängen. Die meisten Shows werden mit Pop-Musik beschallt, manchmal treten sogar Musiker live auf, und auf Video-Screens werden zusätzlich zum Laufsteg Geschichten in Szene gesetzt. Das Label „Opening Ceremony“ verzichtete ganz auf eine Laufstegpräsentation und führte ein Theaterstück auf, in dem die Schauspieler (Models) über die neue Kollektion redeten.

Den Kleidern kam der Stellenwert von Theaterkostümen zu. Die Show von Thom Browne war in eine magische Gartenlandschaft versetzt und die Schauspielerin Diane Keaton las eine vom Designer selbst verfasste Short Story vor, in der den Kleidern Rollen zukamen. Die Designerin Tracy Reese integrierte die Präsentation ihrer neuen Kollektion in eine Tanzvorführung, und Ralph Lauren zeigte seine Entwürfe des Nachts vor Wasserfontänen im Central Park. Die Eventisierung von Mode erreicht neue Dimensionen. Um die Details von Schnitten, den Stoff und die Ausführung eines Kleidungsstückes geht es nicht mehr, sondern um reines Entertainment.

Während der Fashion Week fand das Popkonzert „Fashion Rocks“ statt, in dem Naomi Campbell moderierte, Duran Duran, Jennifer Lopez und Rita Ora auftraten und Justin Bieber sich bis auf seine Calvin-Klein-Unterhosen auszog. Während der gesanglichen und tanzakrobatischen Vorführungen liefen Models in Kreationen von Calvin Klein und Tommy Hilfiger über die Bühne. Die zweistündige Veranstaltung, die live im Fernsehsender CBS lief, wurde vom Kaufhaus Macy`s und dem Telekommunikationskonzern Verizon gesponsort. Events, die direkt übertragen werden und in Real Time auf Twitter und Facebook kommentiert werden können, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Werbung ihre Zielgruppen auch tatsächlich erreicht und nicht umgangen werden kann.

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Werbung für das Fashion-Rocks-Konzert in der Metro. Foto © Rose Wagner

Theodor Adorno könnte sich bestätigt fühlen: „Die Kulturindustrie verschlingt alles“. Ist das schlimm? Wachsen nicht auch gleichzeitig Eigensinn und Differenzierungsvermögen bei den Konsumenten?

Text & Fotos: Rose Wagner

Wo Berlin noch in der Wiege schlummert, ist New York schon mittendrin.

Was im Januar auf der Berliner Fashion Week zaghaft berührt wurde, hat sich in der amerikanischen Metropole schon etabliert. Synergien aus Mustern, Prints und Materialien sah man auf der New York Fashion Week potenziert.

New Yorck Fashion Week - Tracy Reese

Tracy Reese gelingt der Mix aus allem, was die Stadt an Strömungen mit sich bringt. Punkige Tartanmuster verknüpft sie mit verspielten Ornamenten und galmourösen Details. Raubtierprints und Blumenmuster funktionieren genauso, wie ein Etuikleid mit Spitzenbesatz, Lederkorsage und Printdekor. Gegensätze ziehen sich regelrecht an und funktionieren auf sehr individuelle Weise.

New Yorck Fashion Week - Tracy Reese

Die Herbst Winter Kollektion 2013/14 der Designerin ist ein Mix aus Ethno, Glamour und Trashkultur, der sich in einer eigenwilligen, koketten Großstadteleganz vereint. Tracy Reese kombiniert hier nicht nur Muster und Materialien. Mit Perlenstickereien, Pailletten, Strick und auf den Körper angepasste Digitalprints zeichnet sie ein ungezwungenes, unabhängiges und vor allem vielseitiges Bild der modernen Frau, das auch Michelle Obama zu schätzen weiß.

New Yorck Fashion Week - Tracy Reese

Text: © S. Beckmann, Fotos: © Binh Truong/Marc Huss

Die koreanische Designerin Son Jung Wan vereint in ihren Kollektionen die Vielseitigkeit der Frau. Charmant und feminin, stylish und elegant funktionieren die klaren Schnitte, die auf gekonnte Weise fast grafisch durchbrochen werden.

Son Jung Wan

Dabei reduziert und verbirgt sie Funktionales wie Knopfleisten so geschickt, dass dem übrigen Design die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch die Zurückhaltung der Farbigkeit in gedecktem Blau, Mauve, Rost, blassem Rosa und Sandtönen lenkt die Konzentration auf die Asymmetrien und geschickt eingesetzten Details an Krägen und Nähten.

Son Jung Wan

Luxuriöse Materialien erheben für sich allein schon den Anspruch an Klasse und zurückhaltender Extravaganz. Mit Pelz, Tweed, Pailletten und Wollstoffen gelingt es Son körperbetonte und den Körper verändernde Silhouetten zu bilden.

Son Jung Wan

Ein Hauch von Sixties-Style und der Lässigkeit der letzten Dekaden schwingt in den Entwürfen für Männer und Frauen mit.

Text © Fotos: ©Huss/Truong

Vintage, Rapportdrucke, satinierte Stoffoptik, Tartan und Secretarystil.

Wenig opulent zeigt sich die Ready to Wear Kollektion Fall 2013 des Unterllabels von Marc Jacobs, Marc by Marc Jacobs. Feminin und geschlossen liegt das Sexappael im Verbergen.

Hochgeschlossene, Figur betonte Kleider aus Retro-Rapportdrucken, Tartanmuster im Kombilook von Mantel und Taschen, Satinoberflächen erinnern an die Pyjamas der vierziger Jahre.

All das vereint der Designer in einem unauffälligen aber wirkungsvollen Look, in dem dezente Eleganz verbreitet wird. Für Männer wird es hoffnungsvoll.

Hier spricht Unisex nicht aus dem Schnitt, sondern aus dem Stoff. Eben die selben Stoffdesigns vermag der Schirmherr des Designer for Tomorrow Awards auch in männliche Silhouetten umzusetzen. Die sind lässig, weit, bisweilen grenzen sie an Clochards in Nadelstreifen.

Die Farbpalette changiert für beide Geschlechter zwischen gedecktem rostigem Rot, Petrol und Pariser Blau bis zum Grau-Schwarz.

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Marc by Marc Jacobs FW New York Fall 2013

Text: © S. Beckmann; Fotos: © Huss/ Truong