Ausstellung: Zeitlos schön

Ausstellung: Zeitlos schön

Modefotografie ist ein Genre, das uns tagtäglich in seiner Banalität, in seiner Provokation, in seiner Exzentrik vor Augen geführt wird. Wie mächtig sie ist, zeigt die permanente Präsenz auf Werbeplakaten Zeitungen, Magazinen und Ausstellungen. Sie zeigt uns die unmittelbare Abhängigkeit aller wirkenden Kräfte zwischen Kunst und Marketing. Sie zeigt Wünsche, Träume und Visionen und manchmal den Blick auf Realitäten. Fotografen und Künstler erfanden die Modefotografie ständig neu, um ein zeitgemäßes Abbild, meist der Frau, in ihren Arbeiten zu transportieren.

Was Modefotografie ist, zeigt die Ausstellung „Zeitlos schön“ in der Galerie C/O Berlin. Der Condé Nast Verlag öffnete für die Wanderausstellung seine Archive in New York, London, Paris und Mailand.
Condé Nast gründete seinen Verlag bereits 1909 in New Yorck. Im gleichen Jahr kaufte er den Zeitschriftentitel der Vogue . Später die Zeitungen Vanity Fair, Glamour und GQ. Der Verleger setzte auf innovative Typografien und eine zeitgemäße Sprache in der Modefotografie. So scheute er sich auch nicht, von Beginn an Künstler mit ihrem speziellen Blick auf die Dinge zu beauftragen und unter Vertrag zu nehmen. Helmut Newton, Peter Lindbergh, Man Ray, Cecil Beaton, Herb Ritts, Edward Streichen, Erwin Blumenfeld, Irving Penn, Mario Testino und viele andere fotografierten über Jahre für die Zeitschriften des Verlages.
Die Galerie C/O Berlin gibt mit der Ausstellung „Zeitlos schön“ bis zum 28.Oktober einen Einblick in die umfangreiche Sammlung des Verlagshauses von den 1920er Jahren bis heute.

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Albert Watson – American Vogue – May 1977

Meist kleinformatige Fotografien dokumentieren in chronologischer Folge die Entwicklung der Modefotografie. Ein lange als Auftragsfotografie ohne künstlerischen Anspruch deklariertes Genre, fand erst spät die Anerkennung als eigene Kunstform auf dem Markt. Zudem befasst sich das Metier ja ausschließlich mit schönen Frauen in schönen Kleidern. Zu wenig für die Kunst. Was jedoch wirklich dahinter steckt, ist das Dokument einer zeitlichen Epoche, die Ausdruck in Kleidern und der Personendarstellung im Bild findet.

Die Ausstellung dokumentiert auf sehr eindrückliche Weise die Formensprache der einzelnen Dekaden. Angefangen mit Man Ray und Edward Steichen für die zehner und zwanziger Jahre, steht Erwin Blumenfeld für eine expressive Bildsprache in den vierziger Jahren. Schon jetzt wird deutlich, dass in der Modefotografie nicht unbedingt das Kleid im Vordergrund stehen muss. Blumenfeld revolutioniert mit einem Bild für die American Vogue die herkömmliche Darstellungsform. Die verschwommene Silhouette einer weiß behandschuhten Frau mit grünem Hut, in schwarzem Kleid verschwimmt in einem transparent, klar gezeichneten roten Kreuz. Hier ist offen worum es geht.

Erwin Blumenfeld, American Vogue -  March 1945

Erwin Blumenfeld, American Vogue – March 1945

So definiert sich die Modefotografie über die Zeit immer wieder neu, bis die Ära der Supermodells durch Peter Lindbergh,Bruce Weber, Herb Ritts mit Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Linda Evangelista und Christy Turlington als Models den Durchbruch erlangte. Heute werden Modefotos gephotoshoped – dementsprechend stilisiert kommen sie rüber. Modefotos bewegen sich zwischen Abbild und Kunstform. Sølve Sundsbø lässt Frauen wie Puppen erscheinen. Er inszeniert und überhöht die künstliche Erscheinung, womit deutlich wird, dass Modefotografie heute eine Synergie zwischen Modedesigner, Stylist, Fotograf ,Beleuchter und Bildbearbeiter ist. Ein Gesamtwerk in dem der Bezug zur Realität unklar bleibt und auch nicht wichtig ist. Am Ende erzählt schließlich jedes Foto eine Geschichte seiner Zeit, transportiert ein Bild von Frau, Gesellschaft, Zeitgeist, Sehnsüchten und Illusion.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Foto ganz oben: Sebastian Kim – Teen Vogue – Dezember/Januar 2011

C/O Berlin
Oranienburger Straße 35/3610117
Berlin-Mitte
Bis 28. Oktober 2012

C/O Berlin

Text: © Susanne Beckmann