ALLURE. Eleganz und Stil kompakt in der C/O Galerie Berlin

ALLURE. Eleganz und Stil kompakt in der C/O Galerie Berlin

COURTNEY LOVE von HEDI SLIMANE in der Ausstellung ALLURE im C/O Berlin. Foto: S. O Beckmann

Was heißt eigentlich Stil und Eleganz? Woran macht sich diese einzigartige Schwingung, dieser einzigartige Ausdruck fest? Was bedeutet heute Eleganz? Die Antwort suchen viele Fotografen in ihren Bildern festzuhalten, diesen flüchtigen Moment, dessen Ursprung nur ganz tief aus dem Inneren eines Menschen her rührt. Und das fasziniert Susanne von Meiss an den Fotografien, die sie sammelt. Es ist etwas Mysteriöses, das aus einem Bild spricht, ein geheimnisvoller Moment, der sich nicht eindeutig erschließen lässt. Genau diesen Moment erlebte die Sammlerin, als ihr Arbeiten von Richard Avedon gezeigt wurden. Zwei Fotografien aus den 50er Jahren, aufgenommen auf der Straße, zwischen `Tür und Angel`, verbildlichen den Moment von Eleganz, der berührt. Susanne von Meiss wusste nun, was sie sammeln wollte. Bilder, die Allure ausstrahlen und den Betrachter die dort verborgenen Geschichten phantasieren lassen.

Die ersten Fotografien von Richard Avedon  aus der Sammlung Susanne von Meiss. Foto: S. O. Beckmann


Die ersten Fotografien von Richard Avedon aus der Sammlung Susanne von Meiss.
Foto: S. O. Beckmann

ALLURE Ausstellung Berlin.

Nun zeigt die C/O Galerie für zeitgenössische Fotografie in Berlin Arbeiten aus der Sammlung Susanne von Meiss unter dem Titel „ALLURE“. Die über 200 Fotos von 1920 bis heute repräsentieren genau diesen Moment von Stil und Eleganz aus unterschiedlichen Stilrichtungen der Fotografie. Mal ist es das Spiel von Stoff und Licht, dann wieder ist es die Art, eine Zigarette zu rauchen oder die Haltung der Beine einer Frau, die Bewegung im Kleid, der Bildausschnitt eines Körperteils, die Haltung und Geste. Es sind immer Frauen, die hier Modell stehen, aber es sind nicht die gestellten Posen, die diesen Moment ausmachen. Oft sind es genau die Momente nach dem Shooting, der Moment des gefühlt unbeobachtet seins, eine Bewegung, die der Fotograf mehr nebenbei mit dem Auslöser erfasste. Selten blickt das Model in die Kamera.

ALLURE Sammlung Susanne Von Meiss

Die Sammlung ALLURE umfasst Werke von Diane Arbus, Richard Avedon, Rene Burri, Henri Cartier-Bresson, Horst P. Horst, Irving Penn, Paolo Roversi und August Sander. Zeitgenössischen Künstler wie Tracey Emin, Nan Goldin, Daido Moriyama, Richard Prince, Bettina Reims und Juergen Teller. Die Ausstellung in der C/O Galerie ist in drei Bereiche gegliedert: „Pose“, „Experiment“ sowie „Inszenierung des Situativen“. Alle Exponate zeigen den Moment von ALLURE und sind zum Teil Fundstücke aus Fotokisten der abgelichteten Personen. Sozusagen „handverlesen“ ist die Sammlung von S. von Meiss, die sich durch die Kuratorin Birgit Filzmaier beraten und begleiten lässt. Es gibt zu jedem Foto eine Geschichte, die S. von Meiss gerne erzählt.

Die Fotografinnen Marianna Cook erzählt, wie ihr Bild „Sabine“ entstand. Sie wollte Sabine und ihren Mann für ihr Buch „Couples“ ablichten. Dann berührte sie der Falten- und Schattenwurf der Rückseite von Sabines Robe so sehr, dass sie das Foto sofort in ziemlich schlechten Lichtverhältnissen machen musste. Sabine hielt für das Foto 12 Sekunden die Luft an. M. Cook erzählt weiter, dass sie jeden Tag nur ein Foto macht. Das schärft den Blick, die Konzentration auf Details und besondere Momente, die am Ende das Bild ausmachen.

Marianna Cook erzählt, wie das Foto "Sabine" für ihr Buch "Couples" entstand. Foto: S. O. Beckmann

Marianna Cook erzählt, wie das Foto „Sabine“ für ihr Buch „Couples“ entstand. Foto: S. O. Beckmann

Die Rückseite der Robe von "Sabine" faszinierte Marianna Cook. Foto S. O. Beckmann

Die Rückseite der Robe von „Sabine“ faszinierte Marianna Cook. Foto S. O. Beckmann

Und genau davon spricht auch der Schweizer Fotograf Peter Knapp. Er meint, dass es Fotografie im klassischen Sinne heute nicht mehr gibt. Fotografie hat sich neu definiert. Was heute digitale Fotografie ermöglicht war allein vom Farbspektrum mit analoger Fotografie gar nicht zu erreichen. Aber geht es am Ende um diese technische Erweiterung? Nein. Es geht um den Blick, den Ausschnitt und darum, den richtigen Moment abzupassen. Da kann auch ein unscharfes Bild mit ganz einfachen Mitteln aufgenommen, den Kick von Eleganz und Stil in sich tragen.

Die Sammlerin Susanne von Meiss und die Kunsthistorikerin Birgit Fizlmaier im Gespräch über die Ausstellung ALLURE i Foyer der C/O Galerie.

Die Sammlerin Susanne von Meiss und die Kunsthistorikerin Birgit Fizlmaier im Gespräch über die Ausstellung ALLURE im Foyer der C/O Galerie.

Text & Fotos: S. O. Beckmann