ATELIER ABOUT – WORTE – OHNE – BILDER

ATELIER ABOUT –  WORTE – OHNE  – BILDER

Atelier About bringt das Fass zum Überlaufen

Die Designer Gianpaolo Tucci & Giulio D’Alessio von ATELIER ABOUT machten den Laufsteg auf der Fashion Week zum Kriegsschauplatz. Das löste allgemeines Befremden und Diskussionen aus. Die Frage stellte sich bei einem derart martialen Szenario, was geht und was nicht. Mode ist natürlich der unmittelbarste Zeiger von gesellschaftlichen Strömungen. Mode darf auch politisch sein. Aber darf man mit einer Kollektion, die kommerziell vermarktet werden soll, Kriegsszenarien auf dem Laufsteg suggerieren? Dient diese Inszenierung der Mahnung oder wird sich hier eines Schreckensszenariums bedient, um auf die Mode aufmerksam zu machen?
Atelier About steht eigentlich für Unisexmode und setzt sich in den Kollektionen mit dem Genderthema auseinander. So weit ist das auch gut so.

Mit TERROR(ism) zeigte Atelier About eine Unisexkollektion, die urban und in gewisser Weise gar nicht militärambitioniert zu sein scheint. Es ist auch nichts verwerflich daran, sich durch Militärkleidung inspirieren zu lassen. Es ist allerdings sehr bedenklich, wenn man Accessoires, wie Handgranaten und Kampfwesten zum Einsatz bringt und das mit Sirenengeheul als Mahnung an den Frieden auf dem Runway präsentiert.

So weit Gianpaolo Tucci, immer wieder in seinen Interviews und seiner Website betont, ist seine Mode durch Subkultur und Berlin inspiriert. Was hat dann bitte derartig inszenierter Terrorismus mit Berlin zu tun? Der Terror ist gegenwärtig aber nicht auf diese Weise. Terrorismus setzt man üblicherweise auch nicht mit dem Link auf die Bundeswehr gleich. Und der Link zur Bundeswehr war nur all zu deutlich.

Die Frage ist vielmehr, ob die Generation von virtuellen Kriegskonsumern überhaupt ein Gespür dafür hat, was Krieg für die betroffenen Menschen real bedeutet. Die dramaturgisch inszenierte Show vermittelte Kriegsschauplätze, wie man sie aus Kriegsfilmen mit ihren Helden kennt. Sie erinnerte an Kriegsvideos und konnte ebenfalls als Kriegsverherrlichung wahrgenommen werden.

Gar nicht zu berichten wäre hier eine Konsequenz, um den Designern Gianpaolo Tucci & Giulio D’Alessio keine Plattform zu bieten. Auf die übliche Weise zu berichten und immer alles toll zu finden, was die Fashion Week Berlin einem so zumutet, wäre auch nicht angemessen. Anders als sonst zu berichten, ist für uns die angemessene Lösung. Nämlich OHNE BILDER DER KOLLEKTION VON ATELIER ABOUT!

Wie also kann man in Kleidern die Angst vor Terrorismus thematisieren? In der aktuellen Kollektion TERROR(ism) von Atelier About 2017 steckte kein Hauch von Anspielungen auf Terrorismus. Natürlich bediente sich Gianpaolo Tucci dem Kleiderstil der Bundeswehr und wandelte ihn in ein Non-Militarismus-Unisex-Design um. Er zeigte von Bundeswehrseesäcken inspirirte Taschen, gesichtsverdeckende Kaputzenhoodies und zerlöcherte Shirts, die das Bild nach dem Kampfeinsatz suggerieren sollten. Wortstickereien wie Love, Fear und Agony in Rot und Schwarz mit herunterhängenden langen Fäden, die Blutspuren symbolisieren sollen, zieren einzelne Outfits. Ein auf dem Kopf stehender Bundesadler, mit langen roten Fäden aufgestickt, ist ein symbolträchtiges Statement. XXL-Steppjacken in Khakitönen, erinnern an Bundeswehrparka. Das reicht nicht aus, um eine klare, politisch motivierte Botschaft an den Frieden zu vermitteln. Betrachtet man nur die Kleidung, hört nicht auf die Hintergrundsgeräusche und schaut nicht auf die Accessoires, ist alles so weit ok.
Wenn aber Accessoires wie Handgranaten und Kampfwesten in einer Performance eingesetzt werden, die eigentlich zu nichts anderem dient, als verkauft zu werden und kommerziell zu sein, dann ist das erstens zu platt, zweitens kriegsverherrlichend und drittens dient es nicht der Mahnung an den Frieden. Dazu reichte der Einsatz eines Palästinenser ähnlichen Tuchs an einigen Outfits nicht aus, hier eine Friedensbotschaft durch die Mode zu transportieren.

Ich sage mir. Ich bin nicht zu alt, nicht zu moralisch und humorlos und kenne mich mit Mode und ihrer Bedeutung zu gut aus, habe die Geschichten von Kriegsveteranen mit ihren Traumata noch all zu gut in Erinnerung, als dass ich diese Inszenierung als nettes Event behandeln könnte.

Text: © S. O. Beckmann
Foto: © S. O. Beckmann