Ausstellung: Galerie en passant in der LINIENSTRASSE

Ausstellung: Galerie en passant in der LINIENSTRASSE

Sommer-Gast-Spiel mit en passant

Nach 2 Jahren Galerie-Pause nehmen 6 Künstlinnen und Künstler der Galerie en passant ihren Ausstellungszyklus in Berlin-Mitte wieder auf.

Ophelia Beckmann, Matthias Hagemann, Uschi Krempel, Martina Reichelt, Dorothea Schutsch und Sabine Wild bespielen temporär die Räume der MILA Kunstgalerie in der Linienstrasse 154 mit Choreografiken, Monotypien, Fotografien, Malereien und Objekten.

Der Ausstellungstitel LINIEN ● STRASSE ist eine mehrdeutige Assoziation, die alles offen lässt und sowohl inhaltlich als auch künstlerisch – trotz der interdisziplinären Kunstformen – einen roten Faden durch alle Ausstellungsräume der Galerie zieht. Die Positionierung der unterschiedlichen Kunstansätze führt zu einem stimmigen Dialog.

Die Fotografin Sabine Wild zeichnet mit ihren mehrmals abfotografierten Landscapes poetische Stimmungen. Durch verschiedene Techniken verunschärft sie Landschaftsaufnahmen und Stadtbilder so sehr, dass der Betrachter angezogen und gleichzeitig auf Distanz gehalten wird. Mit dem Spiel von Licht und Dunkelheit entstehen in einer reduzierter Farbigkeit Bilder, die teils auf malerische Weise erzählerisch oder einfach nur atmosphärisch wirken. Sabine Wild ist bekannt für ihre Architekturbilder von Megacitys, worin sie Architektur digital aufbricht und zu einer neuen Bildwelt formiert.
Sabine Wild LINIEN STRASSE

Sabine Wild, Fotografien Zoo, 2015

Uschi Krempel scratched, schichtet, bricht Formen. Gesehenes, Gefundenes und Skizziertes wird durch Übereinanderlagerung von Siebdruckschichten zur Abstraktion. Die seriellen Arbeiten entstehen aus dem Moment heraus und entwickeln sich während des Schaffensprozesses in der Werkstatt. Die einzelnen Schichten des Druckverfahrens wiederholt sie auf mehreren Blättern, wobei jeder Druck am Ende ein Unikat ist. Auch sie spielt mit dem Moment des Diffusen, die sich durch Übereinanderlagerungen vieler Schichten und dem unterschiedlichen Farbauftrag ergeben.
Uschi Krempel. Siebdrucke.

Uschi Krempel. Siebdrucke.

Vom Raum über die Wand auf Papier geht Martina Reichelt in der Interaktion zwischen ihren eigenen Bewegungen und den davon aufgenommenen Bildern. Fragmente aus ihrem Tanz werden im 3 Sekunden Takt digital fotografiert und spiegeln sich als Silhouetten und zeichenhaften Formen auf der Wand hinter der Performancefläche wieder. M. Reichelt nimmt die Projektion in ihren Bewegungen auf und setzt die Zeichnung durch ihren Tanz fort. Die dadurch entstandenen übereinander gelagerten Bilder druckt sie aus und nennt sie Choreografiken. Martina Reichelt zeichnet so mit ihren Bewegungen, die teils dem Zufall, teils kalkuliert sind. Sie schafft in der Performance temporäre Räume, die im Endergebnis mit einem zweidimensionalen Bild bleiben. Interessant sind hier die Ebenen von Zeit, Raum, Vergänglichkeit und dem Bleibenden im und nach dem Schaffensprozess.
Martina Reichelt, Choreografiken

Martina Reichelt, Choreografiken.

Matthias Hagemann fotografiert mit analogen Kameras. Die übereinander gelagerten Fotografien von Architekturen, Plätzen, Orten des Wohnens und Reisens spiegeln einen sehr eigenen Blick auf die charakteristische Ästhetik der Gebäude wieder. Verzerrungen und Übereinanderlagerungen transparenter Bildschichten ergeben ein neues architektonisches Gefüge, das mal horizontal, mal vertikal präsentiert wird. Ganz eigen sind die auf Rollbilder gedruckten Türme. Moderne Architekturen lagern sich entsprechend dem vertikalen Format in Schwarz-Weiss auf den für Kalligraphie konnotierten Bildträgern übereinander. Dies schafft eine neue Materialität, gibt dem Turm eine Leichtigkeit und ganz persönlich gesehen, verweist die chinesische Kalligraphierolle auf die Vergangenheit des Künstlers in China.
Matthias Hagemann Fotografie

Matthias Hagemann. Fotografien.

Dorothea Schutsch ist passionierte Malerin. Als Bühnenbildnerin ist der Raum essentiell. Die Künstlerin beobachtet intensiv Räume in der Veränderung durch Licht und Schatten u. a. in Cafes und auf der Bühne. Dabei hat die Rolle des Stuhls eine wesentliche Bedeutung. Diese Einblicke und Beobachtungen abstrahiert D. Schutsch in ihre vielschichtigen Malereien.
Dorothea Schutsch

Dorothea Schutsch. Bildinstallation in der Ausstellung LINIEN ● STRASSE

Stühle werden zu Objekten mit eigenem Leben. Durch Licht und Schatten, durch Positionierung nehmen sie unterschiedliche Rollen und Funktionen in einem Raum ein. Deshalb sind Stühle in aufgebrochenen Räumen ein wesentlicher Teil der Arbeiten von Dorothea Schutsch. Verdeckende und transparente Schichten macht ein Durchdringen der gemalten Räume nicht immer möglich. Die Bilder verdecken, offenbaren und bieten immer wieder neue Sichtweisen auf das Bild, den Raum, die Atmosphäre. Die Bilder vermitteln ein Spiel zwischen den Bildebenen, den Räumen, den Bedeutungen, zwischen Nähe und Distanz.

Ophelia Beckmann bewegt sich zwischen Malerei, Objekten und Fotografie. Als leidenschaftliche Malerin und Verfechterin des Handwerks hat sich die Künstlerin in ihren Projekten (u. a. „Baustelle“, „My life beside the kitchen“) jedoch mehr und mehr darauf konzentriert, ihre Beobachtungen mit verschiedenen Medien unter die Lupe zu nehmen. In der Ausstellung LINIEN ● STRASSE zeigt sie Baustellenkunst, die nicht als solche anmutet. Die Abstraktion von Arbeitstechniken der Bauarbeiter wird in Malereien abstrahiert und ergibt konzentrierte Fadenbilder. In ironischen Anspielungen zeichnet sie mit Bauschnüren auf Stirnholzplatten „Das Haus vom Nikolaus“ nach und bündelt die farbenfrohen Bauschnüre mit einem roten Faden zu einem Wandobjekt, Fotorollen werden zu Wandobjekten, Lote und Zollstöcke zu Mobilés.

Ophelia Beckmann Linienstrasse 154

Ophelia Beckmann Malerei und der rote FAden in der Ausstellung LINIEN ● STRASSE

Grundsätzlich schichtet Ophelia Beckmann ihre Bilder in hunderten von Farbschichten, die bei unterschiedlichem Lichteinfall wirken aber nicht sichtbar sind. Das und die Pigment-, Dammar- und Ölmischung verleihen den Bildern eine intensive Farbtiefe. Das Wesen ihrer Arbeit ist die Konzentration auf die Mitte, auf ein Zentrum, in die Tiefe.

Die Künstlergruppe en passant gründete sich im Dezember 2005. Seither zeigt sie im Zweijahreszyklus Einzel- und Gruppenausstellungen in festen und temporären Räumen.

Dieses Sommer-Gast-Spiel endet mit einer Finissage. Momentan begibt sich die Künstlergruppe wieder auf die Suche nach neuen, festen Galerieräumen.

Ausstellung: 25. Juli 2015- 21. August 2015
Vernissage: 25. Juli 2015, 19 – 22 Uhr
Finnisage: 21. August 2015 19 – 22 Uhr
Galerie Open: Do-So 16-19 Uhr

MILA Kunstgalerie ● Linienstrasse 154 ● 10115 Berlin
www.galerie-enpassant.de ● Tel. 01575 – 2997320 ● info@galerie-enpassant.de