Berlin – eine globale Modestadt

Berlin – eine globale Modestadt

Marina Hoermanseder Kollektion HW 2015/16 auf der FW Berlin. Foto: S. O. Beckmann

Berlin ist Modemetropole. Das zeigt die Ausstellung Global Fashion Capitals im New Yorker Fashion Institute of Technology

Die großen Modemetropolen Paris, New York, Mailand und London bestimmen den Zeitplan der Modewochen, ziehen die Einkäufer an und dominieren die Berichterstattung der Presse.
Doch auf dem Modeglobus tauchen Dutzende neuer Städte auf, die regionale Fashion Weeks und Fashion Days veranstalten, und damit glänzen wollen.

Das New Yorker Fashion Institute of Technology widmet dem Phänomen der neuen Modestädte die Ausstellung Global Fashion Capitals.

Neben den vier etablierten Modemetropolen werden sechzehn aufstrebende Modestädte porträtiert, darunter Berlin, Antwerpen, Istanbul, Kiew, St. Petersburg, Tokio, Shanghai, Neu-Delhi, Sydney, Lagos und São Paulo.

Alle Städte haben ihre kulturellen und sozialen Besonderheiten, die sich in der Mode niederschlagen. Mancherorts wird mit den bekannten Bekleidungstraditionen gebrochen. So ist Neu-Delhi in der Ausstellung mit einem Ensemble von Manish Aurora vertreten, das mit Titelblättern eines Bollywood-Filmmagazins bedruckt ist. Keine Spur mehr von Sari, statt dessen ein textiles Spiel mit der Vorliebe für knallige Filme.

 Manish Aurora
Lisa-Folawyo
Manish Aurora, 2006, Neu-Delhi. Foto © Fashion Institute of Technology
Lisa Folawyo, 2015, Lagos. Foto © Fashion Institute of Technology

Aus der nigerianischen Hauptstadt Lagos kommen Modelle, die einheimische Bekleidungstraditionen neu-interpretieren.

São Paulo zeigt avancierten Ethno-Chic. Alexandre Herchcovitch ließ sich von Mustern inspirieren, wie sie beim Stamm der Nbedele in Simbabwe vorkommen. Dieser Bezug zu Afrika liegt im multi-ethnischen Brasilien nicht fern. Das Land war der größte Importeur von Sklaven aus Afrika, weit vor den USA.

Alexandre-Herchcovitch
Homo-Consommatus
Alexandre Herchcovitch, 2007. Foto © Fashion Institute of Technology
Homo Consommatus, 2013, St. Petersburg. Foto © Fashion Institute of Technology

Für St. Petersburg steht das Label Homo Consommatus des Designers Alexey Sorokin. Mit luxuriösen Kleidern und Schuhen will Sorokin eine moderne russische Mode-Identität begründen. Statt Mangel für alle ‒ wie in der UDSSR ‒ gibt es Glamour für wenige.

Berlin wird durch die Labels Kilian Kerner und Marina Hoermanseder repräsentiert. Hoermanseder hat nur vier Kollektionen gebraucht, um internationale Aufmerksamkeit zu erzielen. Sie lässt sich von der Orthopädie-Technik vergangener Jahrhunderte inspirieren und kombiniert Leder mit weichem Mohair. Das Ergebnis ist Fetisch, gepaart mit Sanftheit.

Marina Hoermanseder Fall 2015 Foto: S. O. Beckmann

Ensemble aus Leder und Mohair von Marina Hoermanseder, 2015. Foto © Rose Wagner

Das Label Kilian Kerner gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten in Berlin. Der gleichnamige Designer kam über das Schauspiel und die Musik zur Mode und entwirft Kleidung für Männer und Frauen und den eher androgynen Typ. In der New Yorker Ausstellung ist ein Kleid zu sehen, in dessen abstraktem Print-Muster sich Farben der irischen Landschaft widerspiegeln.
Kilian Kerner

Modell aus der Irland-Kollektion, 2015. Foto © Kilian Kerner

So wichtig die aufstrebenden Modestädte für ihre jeweiligen Länder auch sein mögen, eine ernsthafte Konkurrenz für die etablierten Metropolen stellen sie noch nicht dar. Wer internationales Renommee sucht, muss in Paris, New York, Mailand oder London präsent sein. Nirgendwo sonst kommen so viele Einkäufer und die internationale Modepresse zusammen, außerdem gibt es in diesen Städten ein an Mode interessiertes und zahlungskräftiges Publikum. Eine solche vorteilhafte Konstellation ist in kaum einer der aufstrebenden Modestädte gegeben.

Auch nicht in Berlin. Deshalb zeigen Berliner Designer – mit Unterstützung des Senats – ihre Kollektionen in Showrooms in Paris und New York und erhoffen dort Resonanz und Geschäftsabschlüsse. Die lokale Nachfrage reicht nicht, um allen Berliner Designern ein Auskommen zu sichern. Es ist nötig, dass noch mehr Initiativen für eine Stärkung der deutschen Mode gestartet werden. Bei der Berliner Modewoche im Januar 2015 wurde die Gründung eines „German Fashion Design Council“ bekanntgegeben, der die deutsche Mode fördern will. Die Würdigung Berlins als Global Fashion Capital in der New Yorker Ausstellung ist diesem Ziel sehr förderlich.

Global Fashion Capitals.
Museum at the Fashion Institute of Technology New York
Bis 14. November 2015

Text: Rose Wagner