Bitten Stetter – Störfaktor „TREND“

Bitten Stetter – Störfaktor „TREND“

Bitten Stetter ist eine Designerin, die allzu Mainstream-Orientierten den gewohnten Blick und Konsum auf Mode verstört. Mit Mode und Modeaktionen nimmt B. Stetter entweder den Konsumenten oder einen Trend aufs Korn.

Provikativ und ironisch richtet sie den kritischen Blick auf Trends und gesellschaftliche Handlungs- und Verhaltensweisen im Umgang mit Mode. Der real allzu konservativen Gesellschaft wird suggeriert, mit neuem Trend ganz individuell zu sein. Sie drückt ihr eins aufs Auge.

Gerade die Jugend lässt heute Individualität und Kreativität in Bezug auf Mode gar nicht mehr zu. Angepasst und dabei ganz hip zu sein ist in. Besteht denn gar kein Bedürfnis nach dem wirklich Anderssein, nach Widerstand und Abgrenzung? In der Jugend offenbar nicht.

Nach B. Stetters Beobachtungen sind es eher ältere Generationen, die auf der Suche nach der eigenen Individualität trendgemäße Kleiderordnungen durchbrechen und Neues kreieren.

In ihren Projekten und Kollektionen erzählt die Designerin Geschichten zu ihren Beobachtungen und kreiert daraus eigene Silhouetten und Designs in eigenwilligen Looks.
Sind Slimfit Hosen mit tiefem Hüftansatz modern, greift B. Stetter genau das Gegenteil auf. Hohe Hüften, weite Schnitte, die mit einem Band in der Taille geschnürt werden. Auch in den Längen orientiert sie sich auf keinen Fall an dem, was in ist.

Mit geometrischen Schnitten, in Anlehnung an die 1970er/ 80er Jahre, formt sie Silhouetten, die ganz losgelöst von allem modischen JETZT zu sein scheinen. Aber genau das ist es nicht. Sie sind eine Antwort auf das JETZT, eine Reaktion, ein Aufruf, eine Mahnung. Dadurch werden Frauen- und Männerbilder umgestoßen und können gesellschaftlich nicht so einfach in einen trendgemäßen Kontext gesetzt werden. Sie fallen auf und geben Rätsel auf.

Ihre Modepräsentationen sind gleich ihrem Grundsatz, was Mode eigentlich ist, mehr Installationen oder Performances, wie Künstler es zu tun pflegen. Sie werfen immer wieder die Frage auf, was Mode eigentlich hinter dem Vordergründigen ist. Was wir daraus und damit machen und wie wir die Mode nutzen, tragen und verwerfen.

In der Kollektion 2014 „kick the coc“ geht die Designerin beispielsweise dem immer wieder zitierten Hahnentrittmuster auf die Spur. Der damit einhergehende Secretary-Look wird fast bis ins Burleske überzogen und ironisiert getragen.
Bitten Stetter Passing Luanda
Die Kollektion „Passing Luanda“ 2015 ist inspiriert durch eine Reise nach Angola. Ein Land, das durch Kriege seine traditionelle Kleidkultur und -industrie fast ganz und gar verloren hat. Einzig das multifunktionale Tuch ist noch Bestandteil aus dem angolanischen Secondhand-Mix der westlichen Modekultur – zwischen Micky Mouse und Glencheckmustern. Alles wird wild kombiniert, ganz entgegen unserem westlich aufgeräumten ästhetischen Empfinden.

Verstümmelungen durch Landminen sind an der Tagesordnung. Wie die Menschen dort ihre Situation als handicaped and lost people in Kleidern zum Ausdruck bringen, versucht Bitten Stetter auf ihre Weise in den Designs dieser Kollektion umzusetzen und für eine westliche, gesättigte Gesellschaft tragbar zu machen.
Bitten Stetter Passing Luanda

Die Geschichten möchte eigentlich auch nicht jeder wissen. Aber wer wissen möchte, wie Bitten Stetter ihre Kleider entwirft, der kommt um die Geschichte nicht ganz herum.

Bitten Stetter geht es weder um Stil, noch um Trend, sondern einfach um eine Einstellung.

Läden:
Berlin: Konk
Berlin: www.potipoti.com
Schweiz: baslerriviera.de
Schweiz: www.makingthings.ch
Hamburg: etageeins-hamburg

www.bittenstetter.com

Text: S. O. Beckmann,
Fotografin: Beata R.
Styling: Elke Rüss/ Liganord
Konzept: (Foto) Bitten Stetter