Blue Jeans

Blue Jeans

Wir alle tragen sie. Mit ihr ist jeder irgendwie korrekt. Wir jagen ihr hinterher und machen jeden Trend mit, den sie mitmacht. Es gibt sie für alle und jeden Geschmack. Für alt und jung, groß und klein. Teuer, günstig bis zum Superschnäppchen für 9,99 € bei Kick und H & M.

Die Jeans, die ursprüngliche Arbeitshose der Goldgräber hat es in den 1950ern geschafft, innerhalb kürzester Zeit zum Objekt der Begierde der Jugendkultur zu werden. Ein so genannter Shootingstar damals, wurde zum Dauerbrenner für alle Generationen bis heute.

Von der ursprünglichen Jeans von Levi Strauss ist heute allerdings nicht mehr viel übrig.

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Die Jeans ist Wandlungen unterzogen worden, die nicht nur dem Stoff nicht gut taten, sondern auch der Umwelt und den Menschen. Und das ist, was Jeansträger im Allgemeinen nicht wissen oder nicht wissen wollen.

Ein harmloseres Beispiel ist das schädliche Stone-Wash-Verfahren, welches der französische Designer Francois Girbaud durch das neue Watt-Wash-Verfahren (eine Lasertechnik, mit der unter Rücksicht auf Wasserverbrauch und -verschmutzung der Jeans das unvergleichlichen Aussehen von gebraucht verliehen wird) umweltverträglicher gestaltet hat. Die Jeans erhielt Gebrauchsspuren – heute nennt man ihn Used-Look. Je abgenutzter um so besser. Je höher jedoch der Abnutzungseffekt erscheint, um so umwelt- und gesundheitsschädlicher sind die Herstellungsprozesse.

Ein politisch korrektes Kleidungsstück – denken wir. Dem ist leider nicht so. Was der NDR mit der Dokumentation „Der Preis der Blue Jeans“ ans Tageslicht bringt, ist nicht nur erschütternd, sondern skandalös. Eigentlich fehlen einem die Worte wenn offenbar wird, wie verachtend die Kleiderindustrie agiert. Das ist auch keine Neuigkeit – nur sind die Folgen der Herstellung von Jeans in dem Umfang unzureichend bekannt oder werden ignoriert. Die Billigketten H&M und Kick schieben die Verantwortung auf die Herstellerländer. Da gilt das Prinzip „Was geht`s mich an…“ oder „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld“. Niemand will die Verantwortung für das Verbrechen an der Umwelt und den Menschen tragen, die den Arbeits- und Lebensbedingungen in den Herstellerländern ausgesetzt sind.

Noch vor 50 Jahren war die Jeans keine Hose, sondern eine Einstellung. Heute wäre es eine Einstellung, keine Jeans zu tragen oder auf Ökojeans umzusteigen.
Schauen Sie den Film „Der Preis der Blue Jeans“…>>
Text & Fotos: Susanne O. Beckmann