Bobby Kolade: 39 auf den Punkt gebracht

Bobby Kolade: 39 auf den Punkt gebracht

Wenn Melissa Drier, als wichtigste Modejournalistin Deutschlands in Berlin bei Bobby Kolade in der ersten Reihe sitzt, dann ist das schon eine große Anerkennung an den jungen Designer.
Bobby Kolade ist auch nicht irgendwer. Schließlich gewann er 2013 den Start Your Fashion Business Award. Der Berliner Senat nominierte ihn im Februar für den „Shenzhen Design Award“ in der Kategorie „Student Award“. Also mehr kann man sich nicht wünschen.
Im Februar zeigte B. Kolade seine Kollektion im Rahmen des Berlin Showroom auf der Fashion Week Paris Mens Wear 2014. Er dekorierte im KadeWe Studio ein Schaufenster.
Seine politischer Protest gegen die einstürzenden Bauten der Kleiderindustrie in Bangladesch zeigte er in Zusammenarbeit mit Fotokünstlern auf mit Katastrophenbildern bedruckten T-Shirts.(Wir berichteten darüber)
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Nun zeigt er ganz losgelöst von den Modewochen seine neuesten Kollektionsteile für Frauen. Eine kleine aber sehr feine Kollektion mit Stil. Klare Farben, klare Schnitte, akzentuierte Details. Farblich abgesetzte Bündchen oder Innenfutter geben der überaus eleganten Kollektion das gewisse Etwas.
Dabei protzt Kollade nicht mit einer Fülle von unterschiedlichen Entwürfen. Er greift immer auf den gleichen klassischen Hosenschnitt in 7/8 Länge zurück und definiert ihn neu. Bündchen sind mal farblich abgesetzt und das in einer so wunderbar subtil, geschmackvollen Weise. Selbst Neontöne brechen nicht die Eleganz.

Mäntel und Jacken sind seine Lieblingsstücke

Lieblingsstücke hat jeder Designer. Bei Bobby Kolade sind es Jacken und Mäntel. Sie bestehen aus 39 Teilen und bieten eine ständige Herausforderung in der Neuinterpretation.

Mäntel und Tops verweisen auf eigene Silhouetten. Sie sind oversized, kastig geschnitten und selten tailliert. Dabei experimentiert Kolade mit der Kombination Nylon und Wolle, knautscht und beschichtet das Material, damit es eine unvergleichliche Optik bekommt. Auch das macht das Material unflexibel und lässt es in seiner Form. Wolle mal gestrickt, gewalkt, gefilzt oder mit anderen Materialien gemixt lässt diese Vielfalt überhaupt nur zu.

Für diese Mode braucht Frau keine High Heels. Flache Sneaker-Espandrillos oder Vans, 100% ökologisch, aus Leder und Canvas von Mats Rombaut und knallig XXL-Knüpftaschen von Malin Bernreuter rundeten die einzelnen Outfits stimmig ab.

Auf den Punkt gebracht – pur im Schnitt und in der Farbe.

Kolades Lieblingsmaterial ist Wolle. Sie lässt je nach Festigkeit eine Vielfalt an Silhouetten zu. Mal schmiegt sich ein Teil an den Körper, mal umhüllt es ihn und erzeugt neue Konturen, die durch eine monochrome Farbgebung unterstrichen werden. Nichts lenkt ab. Der Blick wird absolut auf das Wesen des Kleidungsstückes konzentriert und selten auch mal auf einen kleinen Akzent, der wie die Unterstreichung eines Wortes ins Auge fällt.
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In der Beschränkung auf das Wesentliche schwingt Zeitlosigkeit und Eleganz mit, wie wir sie von Jil Sander kennen. Trotzdem Modernität zu zeigen und einem Trend gerecht zu werden ist eine Kunst, die nicht jedem gelingt. Mode muss in ihren Grundzügen auch nicht immer wieder neu erfunden werden. Was gut ist, ist von Dauer.
Kolades Kollektion ist schon sehr gereift. Nur die asymmetrischen Röcke und Oberteile sprechen eine noch andere Sprache, in der der 27-jährige auf der Suche nach der vollendeten Form zu sein scheint.

Insgesamt war dies eine gelungene Inszenierung, die in ihrer Stille und Langsamkeit, in der ehemalig sakralen Umgebung der Galerie Patrick Ebensperger genau richtig platziert war.

Text & Fotos: © S. O. Beckmann