Caprihose, 7/8-Hose oder Cropped Pants

Caprihose, 7/8-Hose oder Cropped Pants

Caprihosen von Dorothee Schumacher. Foto © S.O. Beckmann

von Rose Wagner

Als die Caprihose 1948 in Deutschland auftauchte, löste sie einen Skandal aus. Waren Frauen denn schon wieder ansprechbar für modische Experimente? Bereit für gewagte Hosen, die an Flirt denken ließen, an Sorglosigkeit und Ferien? Wo sie doch bis vor kurzem noch Mäntel aus Wehrmachtsuniformen geschneidert hatten und Sommerkleider aus Nazi- Flaggen, von denen die Hakenkreuze entfernt worden waren. Und plötzlich tauchte eine Hose auf, die mit allem brach und ein völlig neues Frauenbild vermittelte.

Die Modeschöpferin Sonja DeLennart (geb. 1920) stellte die neue Hose kurz nach Kriegsende in München vor. Die Idee dazu sei ihr in den Ferien auf Capri gekommen, als sie kurz entschlossen ihre lange Hose abgeschnitten habe, um am Strand durchs Wasser zu laufen, erzählte sie im Interview. Daraus entwickelte sie eine dreiviertellange Hose, enganliegend und am Saum geschlitzt. Doch selbst wagemutige Frauen trugen die neue Hose zunächst nur in den Ferien. Als dann aber Prominente sich in aller Öffentlichkeit damit zeigten, war der Durchbruch da. Die fünfziger und sechziger Jahre gehörten der Caprihose. Junge Mädchen tanzten darin Rockabilly. Junge Frauen, die sich wie die Pariser Existenzialisten geben wollten, bevorzugten sie in Schwarz und trugen einen Rollkragenpulli dazu. Man sah Caprihosen auf der Straße, in Clubs und in Ferienorten, jedoch nicht im Berufsalltag. Dort waren Hosen für Frauen bis weit in die sechziger Jahre tabu. Eher wurde der Minirock geduldet als eine Hose.

Filme wie „Ein Herz und eine Krone“ (1953) und „Sabrina“ (1954) spielten bei der Popularisierung der Caprihose eine wichtige Rolle. Audrey Hepburn ging mit einer schwarzen Caprihose und Ballerinas ins kollektive Gedächtnis ein. Brigitte Bardot bevorzugte rosa-weiß gepunktete Modelle, Marilyn Monroe liebte ebenfalls helle Farben für ihre sexy Hosen, die sie mit bauchfrei geknoteter Hemdbluse trug. Als Jacqueline Kennedy sich in einer Caprihose mit Bügelfalte zeigte, verlor dieses Kleidungsstück weitgehend seine erotische Konnotation und wurde massentauglich.
Seit einigen Jahren erlebt die Caprihose ein Revival als 7/8-Hose, Cropped Pants oder Ankle Pants. In der Länge variiert sie von der Wadenmitte bis wenige Zentimeter oberhalb des Knöchels. Sie kann extrem eng geschnitten sein oder sportlich locker sitzen. Der Saum wird geschlitzt, geknöpft, mit Reißverschluss versehen oder trompetenförmig erweitert. Cropped Pants sah man bei Alexander McQueen, Armani, Prada und Akris und auch bei den Berliner Modewochen.

Lena Hoschek HW 2014/15 Foto: S. O. Beckmann

Lena Hoschek. Foto © S.O. Beckmann

Lena Hoschek präsentierte im Januar 2014 eine klassisch geschnittene Version mit hohem Bund in schwarzgrundigem Blumenprint in einer Kollektion, die Anleihen bei der Mode der fünfziger Jahren machte. Das transparente rote Oberteil, das zur Caprihose getragen wurde, setzte einen gewagten Akzent und verscheuchte aufkommende Nostalgie.
Eine unterkühlte Variante stellte Lala Berlin für den Sommer 2014 vor. Sie kombinierte sie mit einer kastenförmigen kurzärmeligen Jacke und verarbeitete einen pastellfarbenen Digitaldruck mit Phantasiemuster. Auf jegliche erotische Anspielung wurde verzichtet. Dieses Modell könnte man sich auch in einer amerikanischen Fernsehserie vorstellen, die in einem kalifornischen Krankenhaus spielt, oder als Mannschaftsuniform in einer Neufassung von „Star Trek – The Next Generation“. Die aufgesetzten Taschen des Jäckchens spielen mit dem Militärischen.

Lala-Berlin SS 2014, Foto: S. O. Beckmann

Lala Berlin. Foto © S.O. Beckmann

Ganz anders die Cropped Pants in Dorothee Schumachers Herbst-, Winterkollektion 2013 / 2014.

Dorothee Schumacher fashion Week Berlin,  Foto: S. O. Beckmann

Dorothee Schumacher. Foto © S.O. Beckmann

Man sah elegante Modelle aus glänzendem Material mit hohem Stretchanteil, die zu raffinierten Tuniken oder weich fallenden Oberteilen getragen wurden. Eine solche

Zusammenstellung verlängert die weibliche Silhouette und eignet sich auch für Frauen, die keine Modelmaße haben. Schuhmachers Neu-Interpretationen wirken schnörkellos feminin und lässig elegant. So schön hat man Caprihosen lange nicht gesehen.
Anders als in den fünfziger und sechziger Jahren werden die neuen Caprihosen nicht mit Ballerinas getragen, sondern mit spitz zulaufenden High Heels, die optisch die Beine verlängern.

Die kulturgeschichtlichen Aspekte der Caprihose sind Thema einer Ausstellung, die bis September 2014 im Levi Strauss Museum im fränkischen Buttenheim läuft: „Kurz, kess und Kult – Sonja DeLennart und die Caprihose“. Dass die Caprihose noch längst nicht Geschichte ist, beweisen die Neuentwicklungen der internationalen Designer.