Claudia Skoda und Martin Kippenberger

Claudia Skoda und Martin Kippenberger

Abb. 1 Detail aus dem Catwalk. Foto © Rose Wagner

von Rose Wagner

Claudia Skoda ist eine der erfolgreichsten Berliner Mode-Designerinnen, zudem ist sie am längsten im Geschäft, und sie lässt dennoch keine Anzeichen von Stagnation erkennen. Für eine Designerin von Strickmode ist das besonders bemerkenswert. International gibt es nur wenige, die mit Gestricktem dauerhaften Erfolg hatten. Claudia Skoda muss man im gleichen Atemzug mit Sonia Rykiel nennen, der Altmeisterin der Wollmode.

Auch Claudia Skoda startete in den 1970er Jahren. Der Punk hatte gerade seinen Durchbruch erlebt. Es wurde viel experimentiert. Sie lebte und wirkte in der Künstler-WG „Fabrikneu“ in der Zossener Straße in Kreuzberg. Wer damals etwas Außergewöhnliches wollte, musste nach London oder Amsterdam fahren. Claudia Skoda hingegen fing an zu stricken. Ihre avantgardistischen, körpernahen Kreationen fanden schnell Liebhaberinnen über die Berliner Szene hinaus, und ihre Kreuzberger Modenschauen glichen Happenings. In ihrer Kommune verkehrten Künstler wie David Bowie und Iggy Popp. Mode und Kunst harmonierten noch absichtslos miteinander.

In Duderstadt, in Südniedersachsen, läuft eine Ausstellung, die auf die Zeit von Claudia Skodas Berliner Avantgarde-Mode der siebziger Jahre zurück verweist. In einem Video, das in der Ausstellung in Dauerschleife läuft, ist eine ihrer Schauen aus dieser Zeit zu sehen. Die Models laufen auf einer Boden-Collage. Dabei handelt es sich um eine Foto-Installation, die der junge Kunststudent Martin Kippenberger (1953-1997) im Jahr 1976 entworfen hatte, als er für einige Zeit in der Skoda-WG lebte.

Dieser Catwalk bestand ursprünglich aus 1300 Fotos, die auf einer Fläche von 12 x 4 Metern zusammengefügt und mit Kunstharz versiegelt wurden. Sie erzählen von Claudia Skodas Arbeit und zeigen Modezeichnungen sowie Szenen aus dem Leben des Künstlerkollektivs.

Es war die erste größere Arbeit von Kippenberger. Die Installation wurde jahrelang genutzt, bis Skoda sie mit Bodenplatten abdeckte. Im Jahr 2002 baute der Galerist Rudolf Kricken die Collage aus. Sie wurde restauriert und im Rahmen der Kippenberger-Ausstellung „Sehr Gut. Very Good“ im Jahr 2013 im „Hamburger Bahnhof“ in Berlin gezeigt.

Kippenberger-Bodeninstallation1977_Foto © Rich Richter  Kunsthalle HGN

Abb. 1 Model auf Kippenberger-Bodeninstallation, 1977
Foto © Rich Richter / Kunsthalle HGN

Hans Georg Näder – Inhaber des Medizintechnikunternehmens „Otto Bock“ – stellt in seinem privaten Museum in Duderstadt frühe Fotoarbeiten Martin Kippenbergers aus, darunter den Catwalk. Nach dem Ende dieser Ausstellung wird die Collage dauerhaft in neuen Ausstellungsräumen in der ehemaligen Bötzow-Brauerei in Berlin-Prenzlauer-Berg installiert, die H.G. Näder erworben hat und in ein großes Kunst- und Veranstaltungszentrum umwandeln will. Er hat einen beträchtlichen Teil von Kippenbergers Nachlass erworben, vor allem Fotoarbeiten.

In Duderstadt sind neben Kippenbergers Bodeninstallation auch Fotoserien mit Claudia Skoda ausgestellt. Eine Serie zeigt sie mit ihrer Strickmaschine im U-Bahnhof Kottbusser Tor. Außerdem sind Aufnahmen zu sehen, die während der Schauen um 1976 in der Kreuzberger Fabrik-Etage entstanden. Auf ihnen lassen sich sowohl die Veränderungen wie auch die Konstanten im Strick-Design von Claudia Skoda nachvollziehen. Anfänglich sind noch viele Kreationen im Hippie-Look, der Punk hat sich in Skodas Kollektionen nicht gleich niedergeschlagen. Damals wie heute sind viele ihrer Modelle aus hauchdünnen Garnen gefertigt.

Die Ausstellungseröffnung in Duderstadt fiel zusammen mit dem 40jährigen Jubiläum von Skodas Label und wurde mit einer Modenschau gefeiert. Abermals liefen Models über Kippenbergers Catwalk, und Skoda zeigte Vintage-Modelle und Teile aus ihrer aktuellen Kollektion.

Foto © Stefan Wolf Lucks

Abb. 3 Vernissage mit Modenschau von Claudia Skoda zur Ausstellung „Kippenberger Catwalk“ in der Kunsthalle HGN in Duderstadt. Foto © Stefan Wolf Lucks

Ausgewählte Einzelstücke können in der Ausstellung erworben werden. Und wer Glück hat, darf sie sogar anprobieren und darin über den Kippenberger Catwalk schweben.

„Kippenberger Catwalk“ Kunsthalle HGN, Duderstadt > 20.10.2013 – 23.03.2014