C/O GALERIE IST ON!

C/O GALERIE IST ON!

Nun ist es geschafft. Fussläufig zur Helmut Newton Foundation fokussiert sich im Westen der Stadt das Feld der Fotografie. In der Kantstrasse befindet sich die renommierte Galerie Camera Work und nun gesellt sich die C/O Galerie Berlin als Ort der Gegenwartsfotografie hinzu. Das ist erfreulich und belebt den Westen der Stadt neu.

Szenen einer Ausstellung. Fotos: © S. O. Beckmann

Mit der Ankündigung „WE ARE ON“ bezieht die Stiftung das Amerika Haus am Bahnhof Zoo. Nach dem Aus im Postfuhramt in Mitte 2013, langem Suchen neuer Lokalitäten, vielen Kämpfen und Verhandlungen mit Investorengiganten und Senat und schließlich einem großflächigem Umbau, hat die Beharrlichkeit der Betreiber gesiegt. Der geschichtsträchtige Bau von 1957 erstrahlt in neuem Glanz und darf fortan neu Geschichte schreiben. Nämlich die Geschichte der Gegenwartsfotografie, mit der durch die Digitalisierung inhaltlich und materiell ein einschneidender Wandel einher geht.

Ganz denkmalgetreu erscheint die Fassade und einige Durchgänge in Glasmosaiken, die freie Steintreppe mit filigranem Metallgeländer und viel Licht durchlässige Fensterfronten.

C/O Galerie Berlin. Foto: © S. O. Beckmann

C/O Galerie Berlin. Foto: © S. O. Beckmann

Es gibt nicht wirklich Räume als mehr Durchgänge mit Ausdehnungen, die alle als Ausstellungfläche in Grau und Weiß dienen. Nichts ist pompös und das macht die Innengestaltung so sympathisch. Mit sehr einfachen, klaren Mitteln haben mvprojekt mit dem Architekten Wolfgang Zeh das Innenkonzept entwickelt. Hier entsteht keine Konkurrenz zwischen Bau und Fotografie. Sie ergänzen sich auf sehr beruhigende Weise, stehen nebeneinander und miteinander. Wie in einer guten Beziehung eben.

C/O Galerie Berlin. Foto: © S. O. Beckmann

C/O Galerie Berlin. Foto: © S. O. Beckmann

Stephan Erfurt eröffnete am Donnerstag, den 30.10.2014 die ersten Ausstellungen mit dem Hauptkurator Felix Hoffmann, Kommunikationschef Mirko Nowak und Wolfgang Zeh, dem Architekten für das Raumkonzept, die alle zu ihrem Thema eine kleine Ansprache hielten.
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re. Stephan Erfurt, Wolfgang Zeh, Mirko Nowak. Li. W. McBride mit Kurator Moritz Hoffmann. Foto: © S. O. Beckmann

Will McBride, Elliott Erwitt und Thomas Hoepker beehrten das Publikum mit ihrer betagten Anwesenheit. Sie sind stolz und freuen sich natürlich in den vier Ausstellungsthemen zur Eröffnung dabei zu sein. Denn sie prägten nach dem 2. Weltkrieg maßgeblich die dokumentarische Fotografie und schrieben damit stille Zeitgeschichte – ohne Worte.

C/O Galeri:e: Thomas Hoepker, Elliot Erwin, Stephan Erfurt, Wolfgang Zeh.  Foto: © S.O.Beckmann

C/O Galeri:e: Thomas Hoepke, Elliot Erwin, Stephan Erfurt Foto: ©S.O.Beckmann

Vier Ausstellung in den neuen Räumen.
Mit der Serie „Talents. Arbeit am Mythos“ präsentiert C/O Fotografien von Luise Schröder und Texte von Hannah Peterson. Damit fördert die Stiftung C/O junge Fotografen, Fotografinnen und Kunstkritiker zwischen Ausbildung und Beruf. Sie nennen es einen kreativen Campus für junge Gegenwartsfotografie und Kunstkritik.

Luise Schröder

Luise Schröder

Magnum. Contact Sheets.
Kontaktabzüge der Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David „Chim“ Seymor, Werner Bischof, George Rodger, Elliot Erwitt, Thomas Hoepker u.v.m. offenbaren dem Betrachter den Weg zum einzig veröffentlichten Bild von Serien. Sie dokumententieren historische Ereignisse und Aufnahmen aus Kriegs- und Krisengebieten weltweit – angefangen vom 2. Weltkrieg. Auch hier wird deutlich, dass das Zeitalter der Digitalisierung die Fotografie massgeblich verändert hat. Der gesamte Arbeitsprozess des digital fotografierenden Fotografen ist ein anderer als der Umgang mit Kontaktabzügen aus der analogen Kamera, die sämtliche Shots auf einem Blatt Papier sammeln. Es sind Serien, die sehr bewegende Geschichten erzählen, besonders in der Kompaktheit eines Blatt Papiers.

Picture Yourself
Mit 6 eigens für die C/O Galeire konstruierten Fotoautomaten wird Fotografie wieder neu definiert. Als „autorenlose Fotografie“ wird sie hier bezeichnet, da der/die Abgelichtete gleichzeitig als Akteur und Motiv fungieren. Die Maschine tut ihr Übriges. Sie sind das absolute Gegenteil der erzählerisch-individuellen Fotografie, für die die Agentur Magnum steht. Die 1947 in New York gegründete Agentur führte das Copyright für Fotos ein und sicherte damit die Urheberschaft der Fotografen auf ihre Bilder.
Die Besucher der Ausstellung können sich hier selbst ablichten und die Bilder digital oder auch ganz real mit nach Hause nehmen und verbreiten.

C/O Galerie. Picture yourself. Foto: © S.O.Beckmann

C/O Galerie. Picture yourself. Foto: © S.O.Beckmann

Will McBride und Elliot Erwitt kommen hier auch nicht zu kurz. Ihre Fotos nehmen einen Großteil der oberen Etage ein. Will McBride ist bekannt für seine Straßenszenen aus den 1950er/60er Jahren. Er dokumentierte damit ganz eindrücklich den Wandel der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in Berlin. „Ich war verliebt in diese Stadt.“ und „Berlin wurde in dieser Zeit wahrlich wieder jung. Es stand tatsächlich an einem neuen Anfang.“ Zitate von Will McBride, der die Straßenfotografie wirklich, ohne es zu wissen, neu erfand und damit deutsche Geschichte dokumentierte.

C/O Galerie: Will Mc Bride in Betrachtung seiner Fotografien. Foto: ©S.O.Beckmann

C/O Galerie: Will McBride. Foto: ©S.O.Beckmann

Will McBride in Betrachtung seiner Fotografien aus den 1950er Jahren. Foto: © S.O.Beckmann

Elliott Erwitt fokussierte sich eher auf das gesellschaftliche Leben und lichtete auf seine Weise den Aufschwung, politische Brisans, Porträts und Gesellschaft ab. Aber auch das erzählt Geschichte.
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Elliott Erwitt vor seinen Fotos. Foto: © S. O. Beckmann

Nun ist ein schöner Ort für Fotografie entstanden, der zwar zur Eröffnung noch nicht ganz fertig war. Aber das macht den Berlinern nichts. Die Stadt wird nie fertig und das ist gut so. Es befindet sich alles in einem Zustand der ständigen Veränderung, des Brachliegens, ständigen Aufbauens und wieder Abreißens. Berlin definiert sich immer wieder neu. Irrungen sind hier normal und Wirrungen machen die Stadt lebendig.

Text & Fotos: Susanne Ophelia Beckmann