„Der Tod des Modedesigns“ – Podiumsdiskussion

„Der Tod des Modedesigns“ – Podiumsdiskussion

Heikles Thema: Wir nahmen die Diskussion zum Anlass, die Karten auf den Tisch zu legen.
Was für eine schlimme Headline. Nun werden schon Diskussionen so negativ betitelt, dass man um unsere so geliebte Berliner Fashion Week echte Sorge haben muss. Ebenfalls um die mindestens 500 Modedesignstudenten die jedes Jahr die 10 Modeschulen Berlins verlassen.
Aber leider ist das Thema rund um Mode kein erfreuliches in Berlin. Der Markt stockt bzw. will gar nicht erst in Gang kommen. Von 50 Absolventen der Modeschulen halten vielleicht 5 für einige Jahre durch. Jedes Jahr geben Modedesigner ihr Label auf. Dieses Jahr kam kurz vor der Fashion Week in Berlin die Nachricht, dass Kilian Kerner seine Show cancelt (angeblich ist er pleite, sein Investor ist ihm abhanden gekommen.), Bobby Kolade geht es auch nicht gerade gut und ca. 4 Wochen nach ihrer Show auf der Fashion Week verbreitete Lena Hoschek, dass sie nun Berlin ganz den Rücken kehrt. Schade. Sehr schade.

Stellt man nun die These auf, dass das Modedesign tot ist, dann gerät immer die gleiche Diskussion in Gang. Es sind das Marketing, die Kunden, die Massenproduktion, die es den armen Modedesignern schwer machen. Die ganzen Blogger, die ganz ohne Budget den Designern etwas Öffentlichkeit geben, verschaffen den Kreativen aus der Modebranche nicht den gewünschten Durchbruch.

Mode hat in Deutschland keinen besonderen Stellenwert. Es gibt keine Kleidungskultur und so weiter und so weiter. Die Schuldfrage taucht immer wieder auf. Wessen Badehose soll denn Schuld sein? Wir leben in einer so komplexen Welt, dass nicht nur eine Badehose schuld sein kann. Da läuft einiges schief.
01_Thomas_hanisch_FWSS2017_Foto_S_O_Beckmann

Die Kollektion SS 2017 von Thomas Hanisch. Mehr Kunst als verkaufsgeeignete Mode? Foto: S. O. Beckmann

Zur Podiumsdiskussion „Der Tod des Modedesigns“ im Brechthaus luden Anna Franziska Michel von Noetia.Berlin und Elisa-Josephine Ammarell während der Fashion Week ein, um den „Mode-Tod“ zu diskutieren.
Auf dem Podium trafen die Designerin Elisabeth Hautmann, der Designer Thomas Hanisch, Prof. Dr. Petra Leutner von der AMD Hamburg und Sevil Ugus vom LFNA-Shop im Bikinihaus zusammen. Eine wirklich kontroverse Diskussion, etwas mau moderiert von Volker Ißbrücker, kam in Gang. Von der Frage, ob Mode eine Inszenierung braucht und dies wichtiger ist als das Design, dass Inszenierungen auf dem Laufsteg meist immer gleich und langweilig sind etc. Es wurden Thesen vermischt um irgendwie auf die Antwort zu stoßen, ob das Modedesign tot sei. Aber man kam nie auf den Punkt.

Was ist nun tot, das Modedesign oder der Markt drumherum?

Beides. Die Situation um das Modedesign an sich wurde weniger bespochen. Es scheint, dass die Designer der Geißel des Verbrauchers untergeordnet sind. Nicht der Modedesigner bestimmt die Mode, sondern die Trends, nach denen sich die Konsumenten orientieren.
So stellt Thomas Hanisch klar. Er macht seine Mode für die Show und Inszenierung um Aufmerksamkeit zu erregen. Für den Verkauf entwirftt er angepasste Kollektionen. Hanisch sieht seine Vision von Mode als Kunst und trennt ganz einfach seine zwei Linien. Elisabeth Hautmann hält immens dagegen. Sie ist der Meinung, dass Modedesigner dem Kunden zeigen müssen, was Mode ist. Sie vertreibt ihre kleinen exklusiven Kollektionen über kleine Veranstaltungen, die sie mit Tuppapartys vergleicht. Sie hat in München zwei Boutiquen, die ihre Kleider anbieten. Das Konzept geht auf und bewegt sich ganz ausserhalb der auch nicht funktionierenden PR Arbeit vieler Designer vertretenden Agenturen.

Sevil Uguz beschreibt ganz offen aus der Sicht einer PR-Managerin, wie das Geschäft funktionieren könnte aber nicht funktioniert.
Die „for nothing“ arbeitenden Blogger, die den Designern die liebevollste Öffentlichkeit mit ihren Beiträgen geben, werden auch von ihr nur belächelt, die Kunden sind hauptsächlich Touristen im Alter von 45 aufwärts, die Stadt lädt zu den Messen keine Einkäufer ein, wie London es tut. Schlechte Situation. Stimmt – aber:
Verdienen scheint nur sie an den Mieten, die die Designer für ihre Kleiderstangen im LFNA Shop zahlen.
Aus dieser Position lässt sich natürlich gelassener diskutieren um den Bumann andernorts zu manifestieren.
Unsere Frage:
Wenn die Stadt die Einkäufer nicht einfliegen lässt, wieso machen es die PR-Agenturen nicht? Wieso zahlen sie den Bloggern nicht eine kleine Anerkennung für die Beiträge, die sie in allen Medien so engagiert verbreiten? Dafür ist leider kein Budget vorhanden. Wie für alles. Anstatt die Konzepte zu ändern und diese glamourgeilen Zuschauer auf der Fashion Week einfach nicht mehr einzuladen – statt dessen mit wirklichen Einkäufern die Plätze in den Runwayschauen zu besetzen, bleibt alles wie es ist. XYZ-Promies besetzen die ersten Reihen und erfreuen sich über das Blitzlichtgewitter der Fotografen, Freunde und verkaufte Platzkarten füllen die Schauen. Aber auch das längst nicht mehr alle. Wenn nicht Guido Maria Kretschmer, Minx oder Riani zur Show bitten. Aber das ist ein anderes Thema. Hier ist man sicher eine pompöse Show kredenzt zu bekommen – aber Mode ???

Hier, in der so verkorksten Modeszene Berlins, wäscht nicht eine Hand die andere. Wenn man es mal genau und ehrlich konstatieren darf: Die Geiz ist geil Mentalität ist nicht nur unter den Käufern zu finden, sondern ganz besonders auch bei den Designern und den PR-Agenturen, die alles immer nur umsonst haben wollen. Fotos, Öffentlichkeit und Presse. So kann das auch nichts werden meine Damen und Herren.

Text: S. O. Beckmann
Foto: S. O. Beckmann