Die Fashion Week Berlin für Berlin

Die Fashion Week Berlin für Berlin

Wie wichtig die Fashion Week auch nach dem 15. Mal für Berlin ist, braucht hier nicht diskutiert werden. Sie bringt der Stadt Geld, ein ganz wenig Glamour, ist Schauplatz für Celebraties und Promies.
Berlin als Präsentationsfläche für Jungdesigner ist unbestritten ein guter Ort und ein gutes Sprungbrett. Mittlerweile kann man konstatieren, dass hier große Label auch kein Interesse haben zu zeigen. Sie zeigen entweder gar nicht oder wenden sich den großen Modestädten zu.

Vor der Fashion Week berichteten wir schon darüber, dass einst mehr Größen das Bild der Stadt während der Modewochen prägten. Nun sind es die Jungen, die teils mit ihren innovativen Kollektionen das Gros ausmachen. Augustin Teboul ist mit ihren Häkel – und Strickkollektionen unbestritten das interessanteste Label. Odély Teboul und Annelie Augustin halten seit drei Jahren, mit ihrer ersten Präsentation auf der Fashion Week, den Status des besten, innovativsten Berliner Labels überhaupt. Sie zeigen in Paris und beweisen mit dem ihnen kürzlich verliehenen Wirtschaftspreis, dass allein nur gutes Handwerk und Design zum Überleben nicht reicht.
Irene Luft bleibt ihrer wunderschönen Spitzen-Couture treu und lässt sich immer wieder mit Plauener Spitze sehenswerte Kreationen einfallen, die sogar Berlinerinnen tragen können.
Fashion Week HW2014/15 Foto: S. O. Beckmann

Von links nach rechts: Dawid Tomaszewski, Irene Luft, Malaika Raiss.

Marina Hoermanseder, begeisterte mit ihrer kompromisslosen Lederkollektion, die als ein Zwischending zwischen orthopädischem Stützkorsett und Fetischmode einzuordnen ist. Die Wienerin und ehemalige Esmod-Berlin-Schülerin zählte mit ihrer Kollektion zu den besten Labels der Mercedes Benz Fashion Week überhaupt. Wie erfolgreich sie ist, zeigt die Anwesenheit des Stylisten Lady Gagas in der ersten Zuschauerreihe. Die Sängerin bestellte schon Bühnenoutfits aus der HW 14/15 Kollektion.

Überhaupt sind hie und da orthopädische Hilfsmittel als modisches Accessoire aufgetaucht.

Ansonsten bringen Anne Gorke,Perret Schaad, Ewa Herzog,ep_anoui by eva poleschinski, BAGAZ u. v. m. wirklich tragbare gute Mode heraus. Unter den Größen Berlins ist Kaviar Gauche mit ihrer Bridal Couture und der Pret-A-Porter Kollektion eines der richtig guten Labels, die auf internationalem Niveaux mithalten können.
Es machte Spaß die Kollektionen anzuschauen, zu sehen, wie viel gutes Schneiderhandwerk und Neuinterpretationen von Klassikern in der Arbeit steckt.

Besonders Männermode erlebte diese Saison einen Hype. Achtland, Ivan Man, Sopopular, Brachmann, Marc Stone und Hien Le bereiten jungen Männern neue Möglichkeiten der Selbstinszenierung. Und die sind so schlecht nicht.
fashion Week Berlin HW 2014/15 Foto: S. O. beckmann

Von links nach rechts: Sopopular, IVAN MAN, Marc Stone.

Die „großen“ Labels wie Guido Maria Kretschmer, Dorothee Schumacher, Minx, Laurel und Miranda Konstantinidou zeigten keine schlechte Mode – aber auch nicht wirklich Neues. Auch Lena Hoschek hat ihren Stil gefunden, an dem nichts zu rütteln ist. Es ist unbestritten gute Mode für die besondere Zielgruppe.

Es ist sozusagen für fast jeden etwas dabei.

Nicht vergessen darf man die Zahl der sich zur Schau stellenden Fashion Victims und Celebraties, die die Modewoche zur Selbstinszenierung nutzen.
Fashion Week Berlin HW 2014/15, Foto: S. O. Beckmann

Besucher der Mercedes Benz Fashion Week Berlin HW 2014/15

Die Messen werden auch immer zahlreicher. Neben den bekanntesten Bread & Butter, Premium Exhibitions, Seek, Panorama, dem Green-showroom und der ethical fashion show reihten sich kleine Messen in die Menge der Orderplattformen. Sogar für Übergrößen gab es diesen Winter erstmalig die Messe „Curvy is sexy“. Also nicht nur slim-size ist sexy.
All sie verzeichnen von Mmal zu Mal mehr Besucher. Die Gäste der Premium mussten sogar beim Catering Warteschlangen hinnehmen. Man hatte mit solch einem Andrang nicht gerechnet.

Was bleibt ist eine unüberschaubare Fülle von Mode, die für jeden Geschmack, in jeder Qualität etwas bietet. Aber hauptsächlich ist es mehr junge Mode, als weniger Glamour, die den Markt bestimmt und Berlin als Modestadt auszeichnet.

Text & Fotos: S. O. Beckmann