Die Zeitkonferenz Mode & Stil

Die Zeitkonferenz Mode & Stil

Christiane Arp moderiert

Die Zeit Magazin Konferenz – Mode & Stil wird groß – Berliner Fashion Week wird klein.

Hat man in den letzten Jahren während der Konferenz Mode & Stil sich oft Augen rollend das Gähnen verkneifen müssen, so muss man in dieser Saison einfach sagen:“ Die Konferenz Mode & Stil macht inzwischen Spaß und gewinnt an Niveau“. Auch weil Tillmann Prüfer immer wieder mit seinen Klamauks das Publikum zum Lachen bringt. Allerdings persifliert er doch viel zu lange, über die Wichtigkeit der Besucher der Runway-Shows in Block A / B / C-.
Als ob es in der ernsthaften Modeszene darum geht. Es gibt Wichtigeres zu sagen. Sevil Uguz, die Betreiberin des LNFA Shops im Bikini Berlin, hat es ganz treffend letzten Sommer in der Podiumsdiskussion „Der Tod des Modedesigns“ beschrieben. Man sollte sich darauf beschränken, Einkäufer und wichtige Leute einzuladen. Dazu muss ein Tillmann Prüfer nicht aufs Podest, um wiederholt an die Designer zu plädieren, stark zu bleiben und grenzüberschreitend zu arbeiten. Das wissen sie längst – tun es nur nicht immer, aus Angst vor der Öffentlichkeit zu versagen. Wer sagt denn auch, dass man den großen Modemarkt bespielen muss. Heute gibt es viele Zwischentöne. Und an die sollte man sich auch halten.

William Fan und viele andere noch kleine Labels machen es. Wie wirtschaftlich erfolgreich sie damit sind, bleibt eh ein Geheimnis. Wenn der Rubel nicht rollt – dann bedeutet es irgendwann das AUS (Siehe Augustin Teboul). Da hilft auch keine gute Presse.

Interessant, belebend und intellektuell eine Wohltat, waren die Gespräche mit Chris Dercon, dem zukünftigen Intendanten der Volksbühne mit Anja Aronowsky Cronberg und später das Interview mit Pascal Morand, dem Executive President of the Fédération Française de la Couture in Paris. In diesem Ganzen fallen sie als frei denkende Weltenbürger auf, die etwas mehr zu sagen haben, als das, was man tun soll oder nicht. Sie sprechen über trans- und interdisziplinäre Grenzüberschreitungen, über die Selbstdarstellung in den Sozial Media und wie sich das Performative in anderen Kanälen breit macht. Man kann die Innovationen und Zeit bedingten Veränderungen nicht ignorieren. Deshalb lernt Chris Dercon auch Arabisch – denn wie er konstatiert:“In Berlin braucht man die arabische Sprache“.
Mode ist eben auch eine politische Haltung, wird von Seiten der Kunst und dem Theater thematisiert und beeinflusst natürlich wie alles Existente. Es ist eine Wohltat, dass man endlich darauf kommt, Leute einzuladen, die über den eigenen Tellerrand schauen.
Chris_Dercon_C_Amend_Anja_A_Cronberg

Chris Dercon, Christoph Amend und Anja Aronowsky Cronberg im Gespräch über Theater und Mode.

Tillmann_pruefer_Pascal Morand

Tillmann Prüfer und Pascal Morand

 

Die Konferenz steht unter dem Titel »It’s The Fashion, Stupid!« Es geht viel um transdisziplinäres Agieren und Schauen, um den Einfluss der anderen Designbereiche. Ob es Möbel, Autos, Produkte und Zahnpastatuben sind. Heute wird alles designt. Nebenschauplätze sind relevant. Was in der Autoindustrie passiert, macht sich in der Mode bemerkbar und umgekehrt. Wie nah Mode und Autos beieinander liegen und wie unterschiedlich die Entwicklung vom ersten Strich bis zum fertigen Produkt sind – dazwischen liegen Welten. Eine Kollektion braucht 3 Monate (in der Fast Fashion Industrie sogar nur 12 – 15 Tage). Ein Auto 4 Jahre. Das erzählten der Modedesigner William Fan und der Produktdesigner von Seat Christian Felske sehr anschaulich. Er entwarf dann während des Gesprächs mit der Moderatorin Nina Piatscheck für William Fan ein Auto mit einem riesen W – für William am Spoiler und William Fan eine Outfit für Felske, so ganz nach William Fan Manier.

HienLe Fashion Week Berlin Mode & Stil Zeit Magazin Konferenz Fashion Week Berlin Foto: S.O. Beckmann
Christaian Felske Mode_und_Stil_Konferenz_Berlin_Fashion_Week_Foto_S_O_Beckmann
William Fans Entwurf für Christian Felske .
Christian Felske zeichnet ein schnittiges Auto für William Fan
 
Die Zeitkonferenz steht auf und wippt im Takt

Mode und Musik hatten immer schon etwas gemein. Diese Szenen befruchteten sich seit dem mittleren 20. Jahrhundert gegenseitig sichtbar. Um diesen Bezug herzustellen, flog man die finnische Elektropopsängerin Alma ein. Die gerade mal 20 jährige stürmt die Hitlisten und brachte den Konferenzsaal in Schwingungen. Der Anweisung Almas, erst einmal aufzustehen, folgten alle brav und wippten dann zu ihrem frechen Sound.
Alma_Mode_und_Stil_Berlin_Fashion_Week_2017

Die finnische Elektropopsängerin Alma bringt den Saal zum Wippen

Öko und fair gehört zum guten Ton

Auch Eco fehlte nicht. Das gehört ja schon zum guten Ton. Denn wer sich mit Mode befasst, sollte auch darüber nachdenken, wie sie hergestellt wird. Heute sind wir so gut informiert, dass es keine Entschuldigung dafür gibt Mode zu tragen, die unter schlechten Bedingungen hergestellt wird. Das konstatierte Livia Firth. Wie politisch Mode ist, das beschrieb die Gründerin der Agentur Eco Age Ltd. Mit der Green Carpet Challenge versucht die Aktivistin Promis zu gewinnen, nachhaltige Mode zu verbreiten. Als internationale Botschafterin von Oxfam besuchte sie textile Produktionsstätten und war geschockt. Sie ist überzeugt, dass der Konsument die Massenproduktion verlangsamen und die prekären Arbeitsbedingungen beeinflussen kann. Denn das, was wir tragen und kaufen ist eine politische und humanistische Haltung – nicht nur uns selbst gegenüber.Livia_Firth_Christiane_Arp

Livia Firth im Gespräch mit Christiane Arp

Wie die arabische Frauen sich in der Modewelt bewegen, erzählt die in Qatar lebende Anum Bashir. Sie ist Herausgeberin des Blogs desertmannequin und Art and Fashion Consultan. Sie definiert den Stil der arabischen Frauen neu. In ihrer Schmucklinie, einer Colaboration mit Nadine Kanso of Bil Arabi verleiht sie der muslimischen Frau ein neues Image.Sie ist unkonventionell und beschreibt, in dem Gespräch mit Claire Beermann sehr eindrücklich die Situation von Frauen in einer tausend von Jahren alten Kultur und wie sie sich als moderne intelligente Frauen auch modisch definieren.
Claire Beermann_Anum Bashir

Claire Beermann und Anum Bashir

 
Fashion means humor

Man ließ sich etwas einfallen, wirklich interessante Leute aus der Designszene aufs Podium zu bringen. Per Skype war der Fotograf und Herausgeber des Toilet Paper Magazins Pierepaolo Ferrari zum Thema „What fashion means for us“ zugeschaltet. Auf seinem Sweater war eine in Burger eingepresste Kröte zu sehen. Also „fashion means humor“. So verlief das ganze Gespräch zwischen Christoph Amend, P. Ferrari und seiner Katze, dem Chef des Studios Toilet Paper.
Pierepaolo Ferrari

Pierepaolo Ferrari und seine Katze blödeln mit Christoph Amend

Nun wird die Konfernz groß und größer und die Fashion Week mit den Runway Shows schrumpft und schrumpft und schruuuumpfffftt.

Text: © S. O. Beckmann
Fotos: © S. O. Beckmann