Die Zukunft des Modedesigns in Deutschland

Die Zukunft des Modedesigns in Deutschland

Tim Labenda – Kollektion für brands4friends

Tja, wer stellt sich diese Frage nicht. So oft schon wurde sie – die Frage: Wo liegt die Zukunft für die jungen Modedesigner in Deutschland?“ – diskutiert. Letztes Jahr traf man sich unter der Moderation von Alfons Kaiser (FAZ) im Kulturforum , letzte Woche veranstaltete die internationale Modeschule ESMOD Berlin einen Round Table in Kooperation mit dem Onlineshop brands4friends zu diesem Thema.

Wie schaffen es junge Designer auf den Markt zu kommen und international zu bestehen?

Dazu lieferte Michael Will, Geschäftsführer des Labels C´est tout aus Berlin, eine wunderbare und sehr anschauliche Einführung mit der eigenen Erfolgsgeschichte.

C´est tout gehörte nie so wirklich zu den gehypten Labels Berlins. Vielmehr agierte das Paar Katja und Michael Will am Rande des Fashionhypes. Dennoch gelang es den beiden den zeitlosen Pariser Chic mit den angesagten Styles der deutschen Fashionmetropole zu vereinen. Das reichte noch nicht zu dem durchschlagenden Erfolg. Erst durch die Kooperation mit ebay, für die das Label exklusiv eine Kollektion entwarf, erreichte Cést tout weit mehr Einkäufer und Kunden als in ihrem einstigen Store in der Schlüterstrasse in Berlin Charlottenburg.

Weitere Kooperationen mit Promifaktor führten zu größerem Bekanntheitsgrad. 2014 kreierte Katja Will gemeinsam mit Eva Padberg eine Kollektion, die unter dem Label Ce´ nou auf der Fashion Week SS 2015 präsentiert wurde.

Nun folgt eine Kooperation mit Till Schweiger unter dem Männerlabel Ce´Til.
Weitere Kooperationen mit Peter Kaiser und ebay bringen den finanziellen Erfolg und nicht zu letzt der Verkauf über die Plattform HSE24. Das Unternehmen steht auf mehreren Säulen und das ist gut so. So kann der eigentliche Traum von Mode erfüllt werden, denn allein gutes Design macht nicht reich. Es stimmt also, gutes Marketing und Kooperationen sind wichtiger als alles andere, damit sich ein Unternehmen erfolgreich auf dem Markt positionieren kann.

Anschließend traf sich die Runde zur Podiumsdiskussion mit Tim Labenda ( Modedesigner), Stefan Wenzel (CEO brands4friends/Senior Director ebay fashion), Jutta Ohms (Ohms Consulting und Fashion Headhunter), Edda Mann (Konk Store Berlin), Silvia Kadolsky (CEO ESMOD Berlin) und Susan Stone (Womens Wear Daily) die Zukunft des Modedesigns in Deutschland zu diskutieren.

Esmod Zukunft des Modedesigns in Deutschland

Der Modedesigner Tim Labenda zählt momentan zu den erfolgreichsten Designern Berlins. Mehrere Preise und Auszeichnungen und die Teilname am Berliner Modesalon mit der Unterstützung Christiane Arps (Vogue) tragen sicherlich zusätzlich zu seinem Erfolg bei. Er kooperierte er mit dem Online-Shopping-Club für Mode und Lifestyle „brands4friends“ und kreierte eine Kollektion, die kürzlich dort gelauncht wurde.

Aber was passiert, wenn junge Designer nicht in den Fokus der entscheidenenden Modeexperten geraten? Die Journalistin Susan Stone ruft in ihrem Beitrag die Modeszene auch dazu auf, am Rad des Marketings zu drehen und nicht erst drei Tage vor der Fashion Week auf sich aufmerksam zu machen. Presse ist wichtig und gibt dem Label eine breitere Aufmerksamkeit. Folgt man dem nicht, ist es in der Regel zu spät. Junge Designer müssen daran arbeiten, sich zu vermarkten und Wege finden, wie Michael und Katja Will (Cést tout), Kooperationen einzugehen, um ihr Unternehmen wirtschaftlich zu sichern. Ratsam ist auch, ein Unternehmen auf mehreren Säulen aufzubauen und Soziale Netzwerke zu nutzen, einen breiten Fokus auf sich zu lenken. Ebay, Amazon, Zalando, brands4friends und andere hochfrequentierte Plattformen sind Möglichkeiten, die Bekanntheit eines Labels zu vergrößern.

Edda Mann trägt im Kleinen zur Förderung der Berliner Modedesigner mit ihrem Laden KONK bei. Sie ist kundenorientiert. Der Kunde wünscht gutes Design, eben nicht von der Stange und vor allem gute Qualität. Meist sind die Kunden auch sehr dankbar für den anderen Weg – weg vom Mainstream – sich gute Kleidung zu gönnen.

Nun stellte sich auch die Frage, weshalb schafft es die deutsche Modebranche nicht, die internationale Anerkennung wie Frankreich oder England zu bekommen. Was fehlt, was kann man tun und vor allem – wer fühlt sich für die Förderung des Modedesigns in Deutschland auf dem internationalen Markt verantwortlich? Bisher bleibt da ein großes Fragezeichen und ein offenes Ende…

Text: S. O. Beckmann
Foto: S. O. Beckmann