Fashion Council Germany – Mode als Kulturgut

Fashion Council Germany – Mode als Kulturgut

Christiane Arp auf der ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil. Foto: ©Phil Dera

Junges Modedesign in Berlin zu fördern, ist ein Endlosthema. Nachdem Tanja Mühlhans von der Senatsverwaltung Berlin im Projekt Zukunft die Modeszene seit vielen Jahren maßgeblich mit prägte und unermüdlich um Förderungen und Präsenz der jungen Mode in und aus Berlin kämpfte, macht sich nun Christiane Arp als Chefredakteurin der VOGUE und Mitgründerin des Fashion Council Germany stark für junge Modedesigner.

Als Grundstein für den Fashion Council Germany fand im letzten Sommer zum 5. Mal die ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil im Rahmen der Fashion Week Berlin statt. Auf dem Podium diskutierten Fachleute aus der Modewelt 2 Mal jährlich die Situation der deutschen Mode unter verschiedenen Aspekten. Sehr theoretisch blieb das Ganze dann doch und meist kündeten die Diskutanten auch keine Neuigkeiten oder Veränderungen an. Ein Patentrezept gibt es nicht. Das junge Modedesign stockt und findet nur schwerlich internationale Relevanz.

Das Projekt des Senats Berlinshowroom zeigt zwar Präsenz in New York und Paris – bringt jedoch nicht so wirklich den Durchbruch für die einzelnen Designer.

Schließlich gründete Christiane Arp mit Melissa Drier, Women’s Wear Daily-Korrespondentin, Michael Berner, Geschäftsführer der Textilagentur Berner und Sohn, Roel de Cooman, von Häberlein & Maurer, Mario Eimuth, CEO von stylebop.com, Nicola Knels, Fashion Director der deutschen „Vogue“ und Dirk Schöneberger, Creative Director von adidas, den Fashion Council Germany, mit dem Ziel wirtschaftlich, politisch und kulturell das Image des deutschen Modedesigns nach vorne zu bringen.
Mode ist ein Kulturgut, was leider meist verkannt wird. Doch Mode ist ein Spiegel der Gesellschaft, zeigt Strömungen auf und kann sehr wohl eine politische Haltung transportieren. Mode erzählt Geschichte und macht Geschichte. Also kein unwesentlicher Aspekt, der wissenschaftlich, kulturell und politisch vernachlässigt werden darf. Um so wichtiger sind Förderungen und die Präsenz auch auf politischen Podien.
Das macht sich jetzt der Fashion Council Germany zur Aufgabe. Förderungen und die deutsche Mode international bekannter zu machen. Zwei Designer pro Jahr erhalten vom Fashion Council Germany ein Förderpaket aus einem viermonatigen Experten-Mentoring.

Marina Hoermanseder SS 2016

Marina Hoermanseder Show Berlin SS 2016 im Kronprinzenpalais.Foto: S. O. Beckmann

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Nobi Talai Show Berlin SS 2016 im Kronprinzenpalais. Foto: S. O. Beckmann

Im Sommer 2015 erhielten Marina Hoermanseder und Nobieh Talai diese Förderung und reisten auf Einladung des deutschen Botschafters in Paris und der deutschen VOGUE mit 28 ausgewählten deutschen Modedesignern zur Fashion Week in die französische Hauptstadt, um ihre Kollektionen im Rahmen des Berliner Modesalons zu präsentieren.

Christiane Arp dazu im Interview mit dem Modemagazin ICON: „Wir möchten, dass Mode in Deutschland als Teil unserer Kultur und als Wirtschaftsfaktor gesehen wird. Jedes andere Land schafft es, dass Mode als eine zu fördernde Industrie auf der Agenda steht, nur Deutschland nicht. Schauen Sie sich die großen Designpreise an: Hyères, ANDAM, der LVMH-Preis. Überall befinden sich Deutsche unter den Finalisten. Aber alle haben das Land nach der Schule verlassen und arbeiten heute erfolgreich im Ausland.“

Die Frage ist also: Wieso schafft Deutschland es nicht, modisch international ernst genommen zu werden? Liegt es einfach an einem fehlendem Selbstbewusstsein und ist dieses Stocken einem fehlenden kollektiven Modebewusstsein geschuldet? Haftet da an den Deutschen etwas modisch Abgewandtes? Liegt es an der Frauenbewegung, die Weiblichkeit und Mode per se Jahrzehnte lang als dümmlich deklarierte? Und schließlich an dem sukzessiven Sterben der einst starken Textilindustrie in Deutschland?
Von politischer Seite werden hauptsächlich wirtschaftliche Standorte gefördert. Mode ist sowohl wirtschaftlich als auch wissenschaftlich nirgends von Lobbyisten in unserer Regierung vertreten. So ist es nur erfreulich, daß Christiane Arp als Schirmherrin des Fashion Council Germany für ein neues Images des deutschen Modedesigns auch in Brüssel kämpft.

Text: S. O. Beckmann