Fashion Week Moskau

Fashion Week Moskau

Fashion Week in Moskau zeigt, warum Russische Mode anders ist

Die europäischen Modewochen in Mailand oder Paris haben eine lange Tradition. International anerkannte Labels präsentieren sich neben jungen Newcomern mit einem europäischen, zeitgemäßen Verständnis für Mode.
Die Unterschiede der jeweils modischen Darstellung ist europäisch – dennoch stark von der kulturellen Herkunft geprägt und bringt eine sehr individuelle Art mit sich, Mode zur Schau zu stellen.

In Russland ist die Art der eigenen Darstellung eine ganz andere als irgendwo sonst in Europa, das macht es aber auch so spannend, sich die aktuelle Modeentwicklung genauer anzuschauen. Russische Frauen sind Meisterinnen darin, sich selbstbewusst mit all ihren Vorzügen präsentieren zu können.
Grelle, leuchtende Farben mit viel Gold und Prunk, das zeichnet für viele die russische Mode aus. Schon in der Kiewer Rus (mittelalterliches Großreich) trug die Frau lange rote Gewänder mit goldenen Verzierungen. Die traditionelle Kopfbedeckung, der Kokoschnik, war immer mit Perlen, Edelsteinen oder aufwändigen Verzierungen geschmückt.
Ab dem 18. Jahrhundert wurde die russische Mode stark durch Westeuropa geprägt. Diese Einflüsse bahnen bis heute ihren Weg in die russischen Kleiderschränke.

Fotos: Yegor Zaitsev / Kollektion SS 2015

 

Um die russischen Stile präsenter zu machen und eine ganz eigene und unabhängige Mode zu kreieren, schaffen junge russische Designer ihre Kreationen mit dem Glanz des alten Russlands.

Die Fashion Week Moskau zeigt nicht nur junges Modedesign.

Eine der russischen Modegrößen ist Slava Zaitsev. Schon in der Sowjetunion wusste er sich über die östlichen Grenzen hinaus in der westlichen Welt zu behaupten. Auf seine Entwürfe wurde sogar der damalige Dior-Designer Pierre Cardin aufmerksam. Nach zahlreichen Artikeln und Ausstellungen im Ausland, nannte man Zaitsev den „Roten Dior“.
Muster und Stickereien der traditionellen russischen Folklore sind ein fester Bestandteil seiner Kollektionen. Auch bei der Männermode scheut er sich nicht, mit Farbigkeit zu protzen.

Kreativität scheint in der Familie zu liegen. Sowohl sein Sohn, Yegor Zaitsev als auch seine Enkelin Maroussia Zaitseva zeigen ihre Kollektionen auf der Fashion Week in Moskau. Jeder in seinem eigenen, unverkennbaren Stil.

Yegor Zaitsev arbeitet avantgardistisch. Sehr ausgefallen und mit interessanten und opulenten Elementen. Für ihn ist Mode reine Kunst, er arbeitet für die Idee. Ob insektenartige Fühler, breite überdimensionierte Krägen oder grelle Muster in ungewohnt schrägen Kombinationen, er bleibt immer spannend und sich selbst treu.

Maroussia schafft im Gegensatz dazu jugendliche und einfache Mode, tragbar, mainstream, mit Wiedererkennungswert.

Eine weitere Größe auf der Fashion Week Moskau ist Alena Akhmadulina. Schon seit mehr als zehn Jahren kreiert sie stets von Märchen inspiriert, ihre Mode. Was vielleicht kitschig zu sein scheint, ist genau das Gegenteil. Lange, fließende Kleider, weibliche Hosenanzüge umhüllen und schmeicheln der weiblichen Figur. Interessant sind die floralen Muster, die in fast allen Kollektionen auftauchen. Blumen bedecken die Kleidungsstücke großflächig.
Wenn die Designerin auf Blumen verzichtet, zieren ihre Kleider selbstentworfene
Muster.

Weiblichkeit und ästhetische Schönheit ist bei den russischen Designern der wichtigste Aspekt. Designerinnen wie Marina Makkaron, Laroom, Bella Potemkina oder Yulia Prokhorova schaffen eine zarte, romatische weibliche Silhouette. Hier gilt, nicht zu viel Haut zeigen, denn nicht die Sexualität der Frau steht hier im Vordergrund sondern ihre Eleganz. Fließende Stoffe, opulent inszeniert mit auffallendem Schmuck oder feinen Details. Die feinen Teile sind für eine moderne Frau, die Raffinesse und Edelmut bei der Wahl ihrer Kleider vorzieht.

Der größte Unterschied der russischen Mode den übrigen europäischen Designern gegenüber ist die reiche Farbpalette. Im Gegensatz zu den eher gedeckten Tönen der Herbst/ Winter Kollektionen Westeuropas, greifen russische Designer gern zu grellen Farben in all ihren Facetten.

Durch den langen russischen Winter bei Minusgraden trägt man gern grelle Farben um sich der grauen Winterlandschaft zu widersetzten. Diesen Ansatz könnte man ruhig in den Berliner Alltag einbringen und nicht nur die Wahl der Farben übernehmen, sondern auch die Überzeugung in seinen Kleidern immer schön und elegant zu erscheinen.

Text: Jennifer Bislinger/modesearch
Fotos: Yegor-Zaitsev
Titelbild Collage: S.O. Beckmann mit Fotos von Yegor-Zaitsev