HIEN LE SS 2015: Nonchalance und Unisex

HIEN LE SS 2015: Nonchalance und Unisex

Die ruhige Dramaturgie der Hien-Le-Show im Erika-Heß-Eisstadion in Berlin Wedding passte
gut zu der Kollektion, die der Designer mit Wurzeln in Laos für den Sommer 2015 vorstellte.
Hien Le gehört zu den wenigen Modeschöpfern, die sowohl Herren- als auch Damenmode
entwerfen. Auf den ersten Blick wirkt seine Mode unspektakulär, fast langweilig.
Wie andere Designer auch, lässt sich Hien Le für seine Herrenkollektion von der Sportmode
und der Berufskleidung inspirieren und übernimmt Tunnelzug, Overall und technisch-kühle
Materialien und Farben.
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Hose mit bequemem Bund

Ein metallisch-grau-blauer Overall erinnert stark an den Anzug eines Automonteurs. Das
Kleidungsstück ist jedoch aus edlem Gewebe, so dass man sich darin auch einen
modebewussten Formel-1-Rennfahrer bei der Inspektion seines neuen Ferrari vorstellen
könnte.
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Overall für den modebewussten Formel-1-Rennfahrer

Hien Le lässt männliche und weibliche Models abwechselnd auftreten. Dadurch tritt eine
Besonderheit hervor: In der Kollektion finden sich androgyne Züge, bis hin zu Unisex-
Ästhetik. Vielleicht soll diese Kleidung veränderte Rollenbilder in der Gesellschaft
widerspiegeln? Hien Le führt Elemente aus der Frauenmode in die Männermode ein, zum
Beispiel die Brustpasse, während es beim Unisex-Stil der 1970er umgekehrt war, als die
Konturen der Männermode auf die Frauenkleidung übertragen wurden.

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Unisex-Ästhetik

In der Damenkollektion von Hien Le findet sich neben den androgynen Elementen auch
duftig Weibliches. Er lässt zudem die Frauen in Absatz-Schuhen auftreten, was jedem
Kleidungsstück eine weibliche Note verleiht, selbst wenn es kühl-sachlich geschnitten ist.
Die klaren, geraden Schnitte überwiegen. Hin und wieder sind Kleidungsstücke an den
Seiten geschlitzt und lassen mit ihrer Silhouette an die traditionellen Gewänder Indochinas
denken.
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Ein Vokuhila-Oberteil scheint dagegen wie ein kultureller Stilmix und eine Bedienung des
gegenwärtigen Mode-Mainstreams.

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Vokuhila

Hien Le ist jung und schon sehr erfolgreich. Eine Schärfung seines ästhetischen Profils darf
noch erwartet werden. Er könnte zu denjenigen gehören, die überzeugend einen modischen
Post-Gender-Diskurs anstoßen. Das wäre alles andere als langweilig.

Fotos: © Susanne Ophelia Beckmann
Text: © Rose Wagner