Iris Van Herpen: Die Revolutionärin unter den Avantgardisten

Iris Van Herpen: Die Revolutionärin unter den Avantgardisten

Iris van Herpen. Foto: © Susanne Beckmann

Gängig ist ihr Name nicht, ihre Mode erst recht nicht. Auf den Couture-Schauen in Paris ist sie der Star und zeigt, was Zukunftsmode ist.

Nicht nur die Form ist revolutionär – auch das Material und die Art, wie ein Kleid entsteht, ist alles andere als nähmaschinenfokussiert. Kleider entstehen wie in einem Labor. Völlig unkonventionell.

Die 29 jährige Niederländerin bedient sich neuer Techniken, Materialien und technischer Geräte. Lasercutter, 3-D-Drucker, Silikon, Piercingringen, Fieberglas kommen zum Einsatz.
Iris van Herpen ist eine Visionärin. Sie macht Unmögliches möglich. Ihre Mitarbeiter beherrschen nicht nur professionell perfektes Schneiderhandwerk. Sie sind auch im Stande kompliziertes Maskenbild zu kreieren.
2011 zeigte van Herpen ihre Sommerkollektion auf der Fashion Week Berlin und belegte das Modeevent der Hauptstadt mit einem Highlight. Danach füllten sich die Front-Rows ihrer Schauen in Paris mit den wichtigsten Modejournalisten.

Nun arbeitet die Niederländerin mit 23 Mitarbeitern in einem Loft am alten Amsterdamer Hafen an ihren spektakulären Entwürfen, die in akribischer Feinarbeit als Unikate zwischen Natur, Techno, Handwerk und Hightech, zwischen Kunst und Mode schweben. So viel Abstraktion ist die Modewelt höchstens von Alexander Mc Queen gewöhnt. Der blieb jedoch mit seinen Formen und dem Material hauptsächlich in der Modegeschichte verhaftet.
iris van Herpen

Herpen überschreitet die Grenzen des schneidertechnisch Machbaren. Sie hat bei dem 2010 verstorbenen Briten Alexander Mc Queen gelernt und gearbeitet, was ihrer Formsprache auch abzulesen ist. Nicht, dass Sie den großen Meister imitiert. Sie hat sich längst von ihm gelöst.
Auch ihre Kurzfilme zu den Kleidern sind kleine Kunstwerke und zeigen die enge Freundschaft zur isländischen Musikerin Björk. Die Sphäre von Island, dem mythischen Wesen des nordischen Lichtes.

Iris van Herpen setzt diese Impression so realistisch um, dass ein Wasserkleid aus Silikon wie aus Wasser wirkt, ein Knochenkleid wie echte Knochen. Für das Mondkleid aus der neuen Kollektion „Wilderness emboided“ arbeitete sie mit dem Künstler Jólan van der Wiel zusammen. Gleich einer Mondlandschaft entnommenen Gesteinsbrocken wirkt das Gebilde. Hier spiegelt die Niederländerin Naturphänomene von Magnetismus und der menschlichen Haut wieder. Diese verkörperlichte Wildnis macht auch die Schauen zu einem unvergleichlichen Erlebnis.

Ihre meisterhafte Arbeit wurde im Frühjahr 2012 im Groninger Museum mit einer Einzelausstellung gewürdigt. Das gelingt nicht jedem Modedesigner mit 29 Jahren. Dazu ist ein Katalog mit ihren zukunftsvisionären Entwürfen erschienen.

Ob die Kleider immer tragbar sind? Alltagstauglich sind sie auf jeden Fall nicht. Denn feine Fieberglasstäbchen, die die Gehbewegung wippend aufnehmen, wärmen nicht unbedingt. Dennoch ist die Designerin ein unvergleichlicher Star unter dem Himmel der jungen Modedesigner.

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Text & Fotos: Susanne O. Beckmann