La Coppola Storta

La Coppola Storta

Die Wiederkehr einer Kappe – La Coppola Storta

Wir nennen sie Schiebermütze, verbinden sie mit der Mafia, Zille und der späten industriellen Revolution in Großbritannien.

La Coppola heißt Mütze oder Kappe – storta übersetzt man mit „verdreht, verrenkt, krumm“ hier sind der „Knick“ und die Schmiegsamkeit gemeint. Oder die Mütze der Berliner Gassenjungs, wie Zille sie beschrieb.

la Coppola Storta – Schiebermütze

In historischen Filmen immer wiederkehrend – die Tweedkappe der frechen Jungs und Arbeiter zu Zeiten der industriellen Revolution – der später im 20. Jahrhundert in Sizilien sich rasant ausbreitende modische Begleiter, setzt seine Reise nicht nur geografisch nach Norden fort. Automobilisten entdeckten die schmieg – und biegsame Kopfbedeckung als Schutz vor Sonne und Wind. Auf diese Weise gelang dem ursprünglichen Accessoire des Proletariats der Aufstieg in die Kleiderordnung der „gut Betuchten“. Schließlich breitete sich die Kappe in den 30iger Jahren über ganz Europa als tragbares Kulturgut aus – bevor es als modisches Accessoire fast in Vergessenheit geriet. Damit fiel das traditionelle Handwerk des Coppolaros/Kappenmachers in einen Dornröschenschlaf.

Erst 1999 erlebte die Coppola in Sizilien ein Revival – nicht mehr als Unikat hergestellt – dennoch in handgefertigter Kleinserien produziert.

7 Frauen fertigten als Initiative gegen die Mafia nach traditionellen Vorgaben die Coppola, schufen sich Arbeitsplätze, so ganz gegen die Strukturen der Mafia, und erfanden die Kappe neu. Design und Stoffe in unerschöpflicher Vielfalt haben die Coppola nun auch zu einem weiblichen Accessoire erhoben.

Ihr mafioses Image ist längst Vergangenheit. Neu designed, zu allem tragbar, bedeckt sogar so manche Braut – in Tüll verhüllt – ihr Haupt mit einer Coppola. Das sagt schon alles über den Facettenreichtum dieser Mütze aus.

Weil die Geschichte der Coppola Storta doch eine sehr spezielle ist und Berlin ein Ort für originäre Geschichten, hat der Szenograph und Unternehmer Johann Jörg mit seiner Projektpartnerin Jana Petzak die Faszination und Leidenschaft für dieses Ding von Palermo nach Berlin transferiert. J. Jörg sieht als Bühnenbildner seine Affinität für Qualität in Material und Verarbeitung in der Kappe vereint. In der Kleinen Hamburger Straße 3, in Berlin Mitte, eröffnete er einen Laden, in dem die freche Trend-Mütze aus Palermo nun Einzug in Berliner Szenen hält.

lacoppolastorta.de/

Text & Foto:© Susanne Ophelia Beckmann