Luxury for Fashion: Fior Collection London in Berlin

Luxury for Fashion: Fior Collection London in Berlin

Foto: Collier und Paar Ohrclips,Panetta (US), späte 1970er, Metall, vergoldet, Jadeimitat, 23 x 18 cm, 5,5 x 1,6 cm

Die Kunstbibliothek am Kunstforum Berlin zeigt eine wunderbare Ausstellung kostbarer Schmuckstücker aus der Londoner Fior Collection. Erstmalig ist ein Teil der erlesenen Privatsammlung des britischen Händlers für Modeschmuck, flankiert von 120 Modefotografien aus der Sammlung der Lipperheideschen Kostümbibliothek, hier in Berlin zu sehen.

Hochwertige Fakes machen Echtschmuck Konkurrenz
Bis noch vor wenigen Jahrzehnten galt in Europa Modeschmuck gegenüber dem Echtschmuck als Kitsch. Fakes gab es jedoch lange schon. Zum Einen dienten sie als Kronjuwelenersatz und erlaubten schließlich ab den 1920er Jahren auch dem kleineren Geldbeutel, dem Wunsch nach Glanz und Glamour nachzugehen.
Heute kreiert fast jedes Label zu seinen Kollektionen eine eigene Schmucklinie. Und die ist längst nicht mehr dem Diktat der Echtheit unterworfen. Modeschmuck präsentiert sich heute facettenreich in seinen Materialien und besetzt inzwischen selbstbewusst ein eigenes Genre im Bereich der Schmuckherstellung.

Pariser Modeschmuck in Deutschland hergestellt
Diese außergewöhnliche Ausstellung nimmt auch den letzten Kritikern den naserümpfenden Blick auf Falschgold und Kunstperlen. Faszinierend ist der Schmuck, von Qualität und handwerklicher Perfektion.
Firmen wie Henkel & Grosse aus Pforzheim sowie Mitchel Maer aus London und Trifary arbeiteten mit den großen Modehäusern in Paris zusammen. Das Schmuckhaus Fior vertrieb diesen außergewöhnlichen Glanz und Glamour von London aus und zählte die Film- und Glamourszene bis zur Aristokratie zu seinen Kundinnen.

Der Name FIOR des Unternehmers Sonny Feldmann für Modeschmuck stand schon in den 1930er Jahren an erster Stelle in der Luxuswelt. Edel geschliffenes Glas, Steinimitate und mit Edelmetallen patiniertes und galvanisiertes Material waren der Grundstoff für kunstvolle Kreationen, die von Echtschmuck kaum zu unterscheiden waren.

Die Verantwortung für die Auswahl des einzigartigen Modeschmucks trug ab Ende der 50er Jahre der Sohn des Unternehmensgründers, Lawrens Feldmann. Er begann die einzigartige Modeschmuckkollektion aufzubauen, von der nun 280 Exponate in der Kunstbibliothek am Kulturforum am Potsdamer Platz zu sehen sind.

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Bettelarmband, Coro (US), ca. 1955, Metall, vergoldet, facettierte Glassteine, -cabochons und Kunstperlen, L: 19 cm

Swarowski als Steinelieferant
Edle Marken wie Swarovski sind für ihren hochwertigen Modeschmuck erst in den letzten Jahren bekannt geworden. Das Unternehmen belieferte jedoch schon in den 1950er Jahren Schmuckhersteller mit seinen ausgesprochen schön geschliffenen Glassteinen. 1956 entwickelte Swarovski exklusiv für Dior einen eigenen Kristall, den Aurora Borealis (Polarlicht). Durch seinen hohen Bleigehalt und ein bestimmtes Dampfverfahren erhält der Stein einen faszinierenden Farbschimmer.
In den 50er Jahren boomte der luxuriöse Modeschmuck als Imitat von unbezahlbarem Echtschmuck.
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Brosche, Mitchel Maer (GB) für Christian Dior, ca. 1955, Metall, vergoldet und Rhodium beschichtet, facettierte Glassteine, 8,5 x 3,4 cm

Die Ausstellung endet am 3.November 2013.

Fotos: © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Martin Gosewisch

Sehenswert!

Der Katalog zur Ausstellung „Luxury for Fashion“ ist hier erhältlich:

Text: © Jennifer Bislinger