Marina Hoermanseder Fall 2015

Marina Hoermanseder Fall 2015

Märchenwelt, Spieluhrenfiguren und Fuchsfell. Marina Hoermanseder ließ sich für ihre aktuelle Kollektion AW 2015 durch Märchen des 19. Jahrhunderts inspirieren. Und das zeigte sich überdeutlich in der ersten Figur, die zur finalen Show der Mercedes Benz Fashion Week Berlin in engem, knallroten Zuckerpuppenkostüm über den Laufsteg trippelte. In das geschnürte Lackleder-Riemenkorsett musste das Model Backstage hineingehoben werden.

Es muss eben nicht alles tragbar sein, das auf den Laufstegen der Modemetropolen zu sehen ist. M. Hoermanseder ist mit ihrer Abschlusskollektion 2013 an der Esmod Berlin eher der Fetischmode zugeordnet worden. Heute zeigt sie, dass sie sich von all zu Geschnürtem in Maßen befreit, die Grundidee von Lederriemen auf ein tragbares, straßentaugliches Ready to Wear hinunterbrechen kann, ohne ihre charakteristische Linie zu verlieren.

 

Vielmehr finden sich zwischen den fast nicht tragbaren Showpieces ganz klassisch angelehnte Schnitte inspiriert durch die Modegeschichte und Märchenwelt bis Ende des 19. Jahrhunderts. Culottes, Oversize-Mäntel, Shirts und Röcke in einer prägnanten Farbigkeit aus Kobaltblauen Nuancen, Bronze, Braun, Orange und Schlamm kombiniert die Designerin mit opulenten Fuchspelzkrägen und diskret gesetzten Lederriemen als Dekor. Der Ansatz von Fetisch verschwindet ganz.

Die Pelzkrägen und -boleros sind ebenfalls eine Anspielung auf die Märchenfiguren. Nur greift Hoermanseder auf Fuchspelze zurück, die in Österreich per Gesetz geschossen werden müssen.

Märchenhafte Grimmwesen schwingen dann und wann mit in den einzelnen Outfits mit, wenn sich zwei Riementaschen über die Schultern einer Bluse legen. Doch durch die Inspirationsquelle ist Hoermanseder einen wunderbaren Schwenk in eine sehr elegante, bodenständige Ready to Wear Kollektion gelungen ohne abgehoben zu wirken.

Text: © S. O. Beckmann
Foto: © S. O. Beckmann