Nachhaltig, grün und fair. Royal Blush – Meine Vision ist eine Herzenssache

Nachhaltig, grün und fair. Royal Blush – Meine Vision ist eine Herzenssache

Jana Keller von Royal Blush

Visionen kann man nur mit Leidenschaft in die Realität umsetzen. Dazu braucht es jede Menge Ausdauer, Mut und über die echte Überzeugung hinaus ist es meist eine wirkliche Herzenssache. Jana Keller, die Mitgründerin der grünen Messe auf der Fashion Week Berlin „Greenshowroom“ und Gründerin des Labels nachhaltigen Royal Blush zieht nach 11 Jahren als Designerin auf dem grünen Modemarkt Bilanz.

Als Jana Keller 2005 an der Esmod Berlin für ihre Abschlusskollektion einen Stand auf der Bread & Butter Messe gefördert bekam, stand der Begriff Öko-Fashion noch mehr als in den Kinderschuhen. Sie fügte ihrer Damenkollektion Lederaccessoires an, weil der Stand zu groß war. Damals kannte die Szene zwar grüne und faire Mode aber Accessoires und Mode aus vegetabil gefärbtem Leder waren noch eine Rarität. Damit weckte Jana Keller die Ökogeister und erzielte so viel Erfolg, dass sie für die nächsten 11 Jahre bei Lederaccessoires blieb und die Damenkollektion in einem Dornröschenschlaf ruhen ließ.

Nebenbei beobachtete sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Magdalena Schaffrin, dass es für grüne Mode einen immer größer werdenden Bedarf gab aber keine Plattformen, wo sich die jungen Labels präsentieren konnten. Also gründete die beiden Modedesignerinnen den Greenshowroom, der seitdem zwei Mal jährlich ein wichtiger Teil der Fashion Week Berlin geworden ist. Offene Ohren und viel Unterstützung fanden sie bei der Berliner Senatsverwaltung und dem Adlon Hotel, wo die ersten Messen in den Hotelzimmern statt fanden.

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Blusen Royal Blush & friends / Model: Deborah Parcesepe / Foto: Margherita Angeli
Royal Blush & friends / Model: Deborah Parcesepe / Foto: Margherita Angeli

 

Inzwischen ist der Greenshowroom zu einer der größten Messen für faire, grüne Fashion, Accessoires, Livestyle und Beauty in Europa angewachsen. Es hat sich also gelohnt. Damals ist es noch eine wirkliche Überzeigungsarbeit gewesen, Fair-Fashion von dem verstaubten Image des Schlabberlooks zu befreien. Jana Keller und Magdalena Schaffrin setzten von Anfang an auf High End Produkte und fanden schnell ihre AnhängerInnen vom Casual Look über Businessmode zum feierlichen Glamourlook. Als die Messe lief und die organisatorischen Aufgaben andere bewältigen konnten, zog J. Keller sich daraus zurück. Sie ist eine Macherin, sagt sie und hat noch viele Visionen, die sie realisieren möchte.
Momentan ist es ihr neuer Pop up Store in Basel der den gleichen Namen wir ihr Label trägt, nämlich Royal Blush & friends. Geplant ist ein dauerhafter Standort, jedoch fehlt es noch an Investoren, so daß Jana Keller zunächst für ein Jahr plant. Dann sieht man weiter.

Royal Blush & friends

Royal Blush & friends ist nicht einfach eine Boutique sondern ein Laden, der nachhaltig und faire Produkte in allen Preisklassen aus unterschiedlichen Projekten anbietet, die durch Royal Blush & friends unterstützt werden.
Hier erwachte auch Jana Kellers Damenkollektion wieder aus dem Dornröschenschlaf und bestückt nun neben den vegetabil gefärbten Lederaccessoires den Laden. Neben dem Angebot aus unterschiedlichen Projekten zeigen Jana Kellers „Friends“ Johanna Riplinger aus Frankreich, 8 Eden Avenue aus Deutschland und Jungle Folk aus der Schweiz ihre Kollektionen.
Jana Keller möchte Menschen ohne mahnenden Zeigefinger, durch ihr Design für Nachhaltigkeit begeistern und diese Werte im gehobenen Segment etablieren. Ob man eine Hermes Bluse oder eine nachhaltig und ökologisch produzierte Bluse kauft, das ist vom Preis her das Gleiche. Vom Design kann beides gut sein. Und da sich der Mensch von schönen Dingen am leichtesten verführen lässt, muss man dort ansetzen. Beim Design.

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Royal Blush /Model: Deborah Parcesepe / Foto: Margherita Angeli
Taschen Royal Blush /Foto: Margherita Angeli

 

J. Kellers Erfahrung ist auch, dass Menschen lange nichts über die Herstellung, die Produktionsumstände, die giftigen Stoffe, die durch Metallgerbung und synthetische Färbung verarbeiteten Leder und über Alternativen zu Ledersorten geschützter Tierarten wussten. Mittlerweile ist es bei aufmerksamen Verbrauchern auch angekommen, wie schädlich die Herstellung von konventionellen Lederprodukten ist. Das z. B. Lachsleder eine gute Alternative zu Schlangenleder ist und für Nichtkenner gar nicht so einfach zu unterscheiden, wissen nicht viele. Jana Keller Häute verwendet Häute von Tieren, die für die Lebensmittelkette gezüchtet werden.

Das Wissen um Luxus Fashion, fair und ökologisch nachhaltig produziert, verbreitet sich nur langsam. Den kleinen Labels fehlt es oft an Budget um vernünftiges und effizientes Marketing zu betreiben. Oft sind auch die Verkäufer, also diejenigen, die in direktem Kontakt mit dem Kunden stehen, nicht ausreichend auf die Produkte geschult. Und wie wir wissen, bei solch besonderen Produkten lieben die Kunden auch eine Geschichte um das Ding. Die will erzählt sein, ansonsten kauft der Mensch das Gewohnte. Da weiß er was er hat und woran er ist. Zumindest vordergründig.

Wo setzt man also an, wenn nachhaltige Mode auch im Luxusseqment großflächig, und das heißt auch international, etabliert werden soll? Jana Keller hat dazu eine klare Haltung. Sie ist aufgewachsen mit all diesen Prämissen, auf die Umgebung zu achten und bewusst mit den Dingen umzugehen. Sie sieht es als notwendig an, das Leben bei all diesen katastrophalen Prognosen und Zerstörungen bewusst anzugehen. Es ist ja nicht nur unser Verhältnis zur Mode, das wir ändern müssen, es ist unser Verhältnis zu allem. Ob es der Lichtschalter ist, den man ausschaltet, das Fahrrad statt des Autos benutzt oder Ökolebensmittel kauft. Alles ist eine Frage der Gewohnheit und Öko zu leben muss nicht teurer sein als konventionell. Es kommt auf die Masse an. Also liegt der Wandel und die Verantwortung auch bei dem Verbraucher. Sie glaubt, dass Verbraucher nicht wissen, wie viel Macht sie haben, an diesem Rädchen vor allem in eine richtige Richtung zu drehen.
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Mit Ökofashion überzeugen

Um das Bewusstsein zu ändern, muss an vielen Stellen etwas passieren. Die Designerin weiß, dass dies nicht mit dem mahnenden Finger funktioniert. Sie sieht die Entwicklung der Ökofashion – auch auf dem Luxusmarkt – langsam in die richtige Richtung gehen. Man braucht Zeit und wirkliche Überzeugungsarbeit. Man muss den Kunden durch gute Qualität, gutes Design und ein umfangreiches Angebot gewinnen. Die Präsentation und das Marketing müssen aus einem Guss sein und die Idee rüberbringen. Wenn man die Kunden einmal hat, dann kommen sie auch immer wieder darauf zurück und bleiben dabei.

Öko erobert mehr und mehr die Schweiz

Die Schweizerin J. Keller sieht auch in ihrer Heimat für grünes Design eine Zukunft. Es wird immer mehr und ist in Relation zu Deutschland schon ganz gut. Die Nachfrage und das Interesse sind da. Sie wissen nur noch nicht, wo es nachhaltige Mode Ökomode zu kaufen gibt und daran kann man arbeiten und das tut Jana Keller mit Royal Blush & friends. In der Schweiz gibt es inzwischen einzelne die sich im mittleren Segment darauf spezialisiert haben wie die Villa Paul in Baden, der Glore Luzern und Changemaker.

Royal Blush zeigt die aktuelle Kollektion HW 2017 während der Fashion Week Berlin im Greenshowroom.

Royal Blush & friends
Gerbergasse 68
Basel

Mode: Royal Blush & friends
Model: Deborah Parcesepe
Hair & Make-up: Nina Tatavitto,
Fotos: Margherita Angeli
Text: S. O. Beckmann