Neuer Fang

Neuer Fang

Kurzjacke von SHRIMPS. Foto: © Oliver Hadlee Pearch

Wie Shrimps die Modewelt verbessert.
Tiere so vielseitig wie ihre Namen – Gambas, Prawns, Scampis und Shrimps finden sonst nur auf den Tellern von Feinschmeckern ihren Platz. Doch eine britische Modedesignerin machte sich einen Ausdruck für die blassroten Krebstierchen zu Eigen und designt tierleidfreie Kreationen abseits der Haute Cuisine.

SHRIMPS war ihr Spitzname in der Kindheit, weil sie Pink trug und klein war. Ihr eigener Name schien ihr zu langweilig und so gebraucht Hannah Weiland heute diese amüsante Erinnerung als Labelnamen für ihre farbenfrohe Mode. Als niedlich, flauschig und bunt beschreibt sie die Shrimps typischen Mäntel mit Breton Streifen. Anders als die gängigen Wintertrends, kreiert Hannah Weiland Oberbekleidung und Accessoires ohne Echtpelz. Für ihre Dulcie und Mabel Mäntel ging es Nerz, Fuchs und Co. nicht an den Kragen. Ethische Gründe haben sie zwar nicht zu diesem Schritt bewogen, aber warum nicht Kunstpelz nutzen, wenn er dem Original ebenbürtig ist?

Ihre Liebe zu den flauschigen Tieren aus ihrer Kindheit gab der Londoner Designerin den entscheidenden Impuls SHRIMPS ins Leben zu rufen. Diese Erinnerungen spiegeln sich in ihren Jacken, Stolen und Taschen wieder, die aus Modacryl gefertigt sind und farblich von Pastell bis knallig bunt reichen. Eine typische Frau, die Hannah Weiland in ihren Designs sieht, gibt es nicht. Sie könnte 18 und genauso gut auch 90 Jahre alt sein. Hauptsache sie hat Spaß an der Mode. Wer es auffälliger mag, greift zu ihren Mabel Coats und Bailey Cropped Jackets mit knallig-orangefarbenen Streifen. Dezenter und klassischer entwarf sie dieselben Modelle in Navyblau.

Für ihre Spring/Summer 2015 Kollektion ließ sich die Londoner Designerin von der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“ und der Tragikomödie „Pleasantville“ inspirieren. Weiterhin fokussiert auf Oberbekleidung und Accessoires kennzeichnen die aktuellen Kurzarmjacken, gerade geschnittenen Mäntel und geschmeidigen Westen leuchtende Farben und leichtes Kunst-Ponyfell im Stil der 1960er Jahre. Angelehnt an die Steinzeitserie „Familie Feuerstein“ trugen die Models Schultertaschen aus künstlichem Stachelrochenleder und Jacken mit Jaguar-Print. Die vorherrschenden Farbtöne bewegten sich zwischen Kanariengelb, dunklem Violett, Pink, Blau und einer Reihe von unterschiedlichen Grauschattierungen. Hannah Weiland nutzte hierfür die Schönheit Mexikos, die Arbeiten des Malers Henri Matisse und des Architekten Luis Barragan. Senkrecht verlaufende Streifen an den Westen sorgten für architektonische Elemente auf den Kreationen und betonten die abwechslungsreichen Farbkombinationen. Für ihre Spring/Summer 2015 Kollektion kooperierte Hannah Weiland mit Schuhdesignerin Sophia Webster, die bekannt ist für ihre ausgefallenen Entwürfe.

 

Hannah Weiland zeigt mit ihren stilsicheren Fake-Fur-Designs, dass jahrhundertelange Modetrends einer Generalüberholung bedürfen und es Zeit ist alte Gewohnheiten durch Innovationen zu ersetzen. Pelzliebhaber können sich zwar weiterhin mit flauschigen Winteraccessoires in Schale werfen, aber mittlerweile ohne Tieren das Fell über die Ohren ziehen zu müssen. Die Londoner Designerin schuf mit SHRIMPS ein Label, das Lust auf Mode macht und mit seiner knackigen Schale und dem weichen Inneren dem Namen der Krebstierchen eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Text: © Jenny Kolossa/Modesearch