Nina Athanasiou FW 2015: „Handan“

Nina Athanasiou FW 2015: „Handan“
Finale der Nina Athanasiou FW 2015 Runwayshow auf der NY Fashion Week. Foto: © Nina Athanasiou

 

Winterliches Island auf der New York Fashion Week

Eine Insel aus Feuer und Eis, zwei zerstrittene Brüder und eine gemeinsame Aufgabe: die Asche ihrer Mutter an einem isländischen Strand zu verteilen. Mit diesem Thema setzt sich Nina Athanasiou in ihrem Fashion Film zu ihrer aktuellen FW 2015 Kollektion auseinander. Die Reise ins Jenseits, auf Isländisch ‚Handan‘ genannt, spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Kühle Farbtöne, inspiriert vom isländischen Winter, zarte Federstoffe mit Spitze und fließende Seide zeugen von der Spiritualität der Insel im hohen Norden.

Ganz unerwartet bildete der Auftakt der Kollektion kein eisiger Look, sondern eine Kombination aus Militäruniformen und schweren Boots. Strenge Armeemäntel mit hohen Stehkrägen wurden, wie viele Teile der Männerkollektion aus recycelten Bundeswehrdecken, Rucksäcken und Satteltaschen gefertigt und mit Schurwolle und Leder aufgearbeitet. Offiziersjacken aus Wollmischungen sowie Kurzjacken mit breiten Revers, asymmetrischen Reißverschlüssen und ausgeprägten Schulterpolstern bildeten die Statement Pieces der Männerkollektion. Die für das Militär typischen Farben wie Anthrazit, Schwarz, Camel und Nachtblau unterstrichen den vielseitigen Materialmix.

Ein Eisblauer All-Over-Print des Albino Models Shaun Ross auf Blousonjacken und Anzugvariationen ironisierte hingegen das vorangegangene, militärisch geprägte Männerbild. Dazu kombinierte goldene Sneaker und Hosen standen im krassen Gegensatz zum strengen Armeestil.

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In den Damenentwürfen der Nina Athanasiou FW 2015 Kollektion setzte die Münchner Designerin auf ein Wechselspiel zwischen zarten Pastelltönen und dunklen Farbnuancen. Ein nachtblaues Kostüm mit ledernem Taillengürtel sowie seidene Blusenvariationen in Stahlblau symbolisieren die dunklen Wintermonate Islands, deren Tage sich zwischen Dämmerlicht und tiefschwarzen Nächten bewegen. Zart Rosa Spitzenblusen und Gletscher farbene Schürzenkleider zeugen von den Witterungsbedingungen im hohen Norden, wo Schnee und Eis den Kreislauf des Lebens bestimmen.

Auch Parallelen zur Vogelwelt Islands fanden Einzug auf den Laufsteg. Mit Federn besetzte Pullover, Jacken und Röcke wurden zu Overknee Stiefeln in unterschiedlichen Längen und Braun Variationen gezeigt.

Bei den Accessoires ließ die griechischstämmige Nina Athanasiou ihren Hang zu Fetisch erkennen. Kombinierte sie doch lederne Halskrägen mit Leinen zu eng geschnürten Taillengürteln. Selbst die Over-Knee Stiefel wurden mit Lederbändern umschlungen. Für die Veredelung ihrer Outfits verwendete die Designerin Insektenmotive aus Metall, die auf den Halsschmuck angebracht oder als übergroße Kettenanhänger getragen wurden.

Nicht nur durch ihr Jenseits Thema veranlasste Nina Athanasiou ihr Publikum in New York zum Nachdenken. Bei der Auswahl ihrer Models brach sie mit üblichen Schönheitsidealen, setzte statt Makellosigkeit auf Individualität und bot eine willkommene Abwechslung zum gängigen Model Look. Für ihre Runwayshow liefen unter anderem die Albino-Topmodels Shaun Ross und Diandra Forrest sowie die an ektodermaler Dysplasie erkrankte Melanie Gaydos.

Die Münchner Designerin greift in ihrer Nina Athanasiou FW 2015 Kollektion ein Frage auf, die die Menschheit seit Anbeginn der Zeiten beschäftigt und auf die wir wahrscheinlich nie eine Antwort finden werden: Was kommt nach dem Tod? Und wenn es ein Jenseits gibt, wie sieht es aus? Vielleicht gilt für Nina Athanasiou das Militär als einer der Auslöser für diese letzte Reise im Leben und sie hat deshalb Armee-Elemente in die Kollektion einfließen lassen. Die aktuelle, politische Weltlage gäbe ihr allen Grund dazu. Oder der Winter mit seinem mysthischen Erscheinungsbild symbolisiert für sie die Brücke in eine andere Welt? Man weiß es nicht.

Text: Jenny Kolossa
Fotos: © Nina Athanasiou