ODEUR STUDIOS SS 2018

ODEUR STUDIOS SS 2018

ODEUR STUDIOS bekennt in der Kollektion SS 2018 Farbe

Unisex, urban und avantgardistisch angehaucht sind ihr Markenzeichen. Bisher zeigten sie ihre Kollektionen im Farbspektrum zwischen Schwarz und Weiß. Mit der aktuellen Kollektion „Interruption“ bekennt das Duo Farbe. Die Kollektion SS 2018 ist eine Reaktion auf die momentane Situation im Weltgeschehen. „Shit is happening“ und Farbe ist eine Antwort darauf. Wir sprachen mit den Designern Petter Hollström und Gorjan Lauseger von ODEUR STUDIOS.

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modesearch-berlin: Das war eine großartige Kollektion. Seid ihr zufrieden mit ihr und diesem Ort?

Odeur: Ja, ich meine wir waren letzte Saison schon hier und wir lieben Berlin einfach als Stadt und lieben es mit den Leuten zusammenzuarbeiten. Es fühlt sich wie Berlin an, die Dinge, die wir tun, also sind wir sehr zufrieden. Für diese Kollektion haben wir schon Lookbooks gemacht und natürlich die Kollektion selbst, aber es ist das erste Mal, dass wir alles zusammen sehen und unser unmittelbares Gefühl ist ein gutes.

modesearch-berlin:  Wann habt ihr darüber nachgedacht zur Berliner Fashion Week zu gehen?

Odeur: Es sind nun vier oder fünf aufeinander folgende Saisons, in denen wir unsere Kollektionen hier zeigten. Wir genießen es wegen der Atmosphäre, den Menschen und natürlich auch wegen unserer Kooperationspartner herzukommen. Es fühlt sich auch einfach natürlich an hier zu sein, wie Gorjan vorher schon sagte. Unsere Kollektionen sind hier sehr erfolgreich, wir haben auch einige Retail Geschäfte in Berlin – und ja, wir mögen es einfach hierherzukommen. Berlin passt auch einfach zu uns. Und der Ort (Kaufhaus Jandorf) hier ist sehr attraktiv für uns. Das alte Gebäude. Es sieht hier alles sehr rau aus aber wenn man die Lichter einschaltet, ist es wunderschön.

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modesearch-berlin:Was denkt ihr über die Trennung von IMG und Mercedes Benz und werden sie davon beeinflusst?

Odeur: Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nichts Genaues. Ich meine wir wissen schon, dass einiges passiert. Aber wir lieben Berlin als Stadt und haben noch nichts Auffälliges bemerkt, also würden wir uns freuen hierher wieder zurückzukehren. Aber es geht nicht nur darum. Es geht auch darum, wie die Studios sind und was sich gerade richtig für uns anfühlt. Wir haben die Kollektion in Shanghai gezeigt oder Kopenhagen. Es hängt also viel von der nächsten Saison ab, auch wie wir uns persönlich fühlen.

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modesearch-berlin: Okay, dann lasst uns mal über die aktuelle Kollektion sprechen. Was war eure erste Inspiration für „Interruption“?

Odeur: Wir sind ein bisschen anders, wenn es um Inspiration geht. Ich weiß nicht, anders, befremdlich. Wir versuchen gar nicht erst tiefgründig zu sein. Unsere Inspiration kommt vielmehr von der Gesellschaft und Dingen, die eben nun mal passieren. Im Moment haben wir das Gefühl, dass viel angefangen aber nichts beendet wird. Wir (die Gesellschaft) kommen nicht wirklich voran. Also haben wir unsere Linie „Interruption“ genannt. Sie beinhaltet neue Farben, neue Muster und neue Stoffe. Wir haben es uns einfach erlaubt, eine Kollektion zu erstellen, die nicht den üblichen Regeln folgt aber auch andere aktzeptiert. Das ist unsere Inspiration, wenn es um Farben, Stoffe und andere Dinge geht.

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modesearch-berlin: Apropos Farben. Die letzten Saisons habt ihr ja nur schwarz, weiß oder grau verwendet. Wieso habt ihr dieses Mal Farben, wie zum Beispiel Neongrün benutzt?

Odeur: Das ist eine witzige Geschichte, denn als wir mit dieser Kollektion angefangen haben, wussten wir, wo es herkommt und was wir vorher schonmal gemacht haben. Also haben wir uns zunächst gefragt, wie wir uns herausfordern können, dass es noch besser aussehen kann und wir es mit unserem Unisex-Thema vereinen können. Also die Schnitte und Silhouetten. Wir haben versucht, das zu erfassen, von Anfang an Farben benutzt und uns gefragt, ob wir verschiedene Farben verwenden und kein Schwarz oder Weiß benutzen sollten. Haben aber gemerkt, dass sich das nicht nach uns anfühlt, das erfüllte uns nicht. Aber es sind im Moment traurige Zeiten, es passieren viele schlimme Dinge, also dachten wir, es wäre schön, etwas Leichtigkeit und Glück in unserer Kollektion zu haben. Denn es macht einen glücklich, wenn jemand eine Neonfarbe trägt. Es sieht aus wie eine Kollektion für die Show, die das nach außen tragen soll aber es ist vielmehr eine Kollektion für uns, um in uns zu gehen, uns herauszufordern und damit gut wegzukommen.

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modesearch-berlin: Würdet ihr sagen, Mode ist ein politisches Thema?

Odeur: Ja, die Dinge, die wir in diesem Geschäft tun, sind Dinge zu kaufen, sie zu tragen. Diese Dinge landen dann auch irgendwo, also geht es immer um die Frage, wie wir die Fast-Fashion-Industrie verändern können. Unser Ziel war es schon immer, dass man ein Kleidungsstück von uns vor zum Beispiel fünf Jahren mit einem jetzigen tragen kann. Wir arbeiten viel mit zeitlosen Formen oder Designs, wie Streifen, sodass es sich nie out anfühlt. Aber ja, wir glauben, dass nichts frei von Politik ist, man muss das einfach so sehen, wie es ist. Wir verleugnen das gar nicht und zitieren das schon irgendwie aber wir vermarkten das nicht mittels Prints auf unseren T-Shirts. Das Verlangen nach so etwas ist mehr, was mit uns passiert, was wir darüber in unseren Designs denken und wie wir sie reflektieren.

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modesearch-berlin: Und wie reflektiert sich die aktuelle ethische und ökologische Diskussion über Mode in ihrer aktuellen Kollektion?

Odeur: Das ist eine schwierige Frage, weil sie so viele Aspekte umfasst, wie die Produktion, den Verkauf, wie lange man so etwas trägt. Das Wichtigste ist, dass wir zertifizierte Käufer haben. Es geht aber vielmehr um Preise und wie Konsumenten die Teile bewerten. Die wichtigere Frage ist doch, wie die Menschen mit ihren Kleidungsstücken umgehen, dass sie die manchmal nur ein Wochenende tragen, das Kleidung wie Blumen sind und das ist es. Wir tun einfach, was wir können aber wir sind ein kleines unabhängiges Unternehmen. Die wichtigen Schritte müssen noch von den großen Firmen kommen, die die Macht dazu haben und wirklich etwas bewegen können. Aber es geht auch viel um den Käufer, der sich öfters fragen sollte, warum etwas so günstig ist und nicht, warum etwas so teuer ist und warum man so etwas kaufen will.

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modesearch-berlin: Also ist es mehr eine Frage der Gesellschaft?

Odeur: Absolut.

modesearch-berlin: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nils Langenhop.
Fotos & Text: S. O. Beckmann