Rettung und Auktion: Das Hotel Bogota soll leben

Rettung und Auktion: Das Hotel Bogota soll leben

Das Hotel Bogota ist nicht irgendein Hotel in Berlin. Das seit zwei Generationen von der Familie Rissmann geführte Haus im Herzen der „City- West“, Schlüterstraße 45, hält – mit großem persönlichen Einsatz der Betreiber – Berliner Geschichte lebendig. Es wurde 1911 erbaut und steht heute unter Denkmalschutz.

Wäre es ein gesichtsloses Hotel, einesr der üblichen Ketten, würde vermutlich niemand etwas gegen seine bevorstehende Schließung auf Grund von Mietschulden einwenden. Aber es ist eben kein Massenhotel, wo alle Zimmer standarisiert sind. Die Angebote reichen von sehr einfachen Zimmern ohne Bad bis zur „Yva“-Suite mit Bad, benannt nach der berühmten Fotografin „Yva“, die in dem Haus ihr Atelier hatte. So trifft sich ein Publikum aller Couleur morgens im Frühstückssaal, der mit wechselnden Ausstellungen dekoriert ist. Kunst und Fotografie ziehen sich durch holzvertäfelte Salons und Lounges. Das Mobiliar erzählt schon für sich eine Geschichte, die das gesamte Haus mit seinem wunderschönen verglasten Lichthof prägt. Hinzu kommen persönliche Erinnerungsstücke, die eine besondere, sehr persönliche Atmosphäre schaffen.

Künstler suchten hier Konzentration und Publikum

Benny Godman gab hier seine ersten Konzerte. Schriftsteller schrieben ihre Bücher an diesem Ort. Die Jüdin Else Neuländer-Simon, bekannt als Yva, arbeitete unter dem Dach als Fotografin. Helmut Newton war nicht nur ihr Schüler, er war 2002 auch zu Gast. Die Reichskulturkammer machte sich in den 1930er Jahren die Räume des Bogota zu Eigen. Der Keller diente als Lager der von den Nationalsozialisten verfemten Kunst. Dann, in der Nachkriegszeit, richteten die Briten die Entnazifizierungsbehörde in der Bibliothek des Gebäudes ein.
Seit 1964 wird das Hotel von der Familie Rissman mit feinem Gespür für den historischen Ort bewirtschaftet. Überall liegen Bücher, Broschüren, Kataloge auf den Tischen, die über die Geschichte und Ausstellungen erzählen.

Das Hotel ist ein Ort, in dem man gerne verweilt.

Kunst- und Fotografieausstellungen, Lesungen und Events finden hier statt, auch Filme wurden vor Ort gedreht. Fotografen nutzen diesen Ort als Location für Mode-Fotoshootings und zur Ablichtung großer Stars wie Jack Nicolson. Sowohl zahlreiche Modefotografen als auch der Berliner Porträtfotograf Gerhard Kassner präsentierten in dem Hotel ihre Arbeiten.

So erklärt sich das große Engagement für den Erhalt des Traditionshauses. Nicht nur KünstlerInnen unterstützen den Kampf gegen die Hausbesitzer und ihre Umwandlungspläne, auch die Betreiber der C/O Berlin-Galerie, die ebenfalls durch Investoreninteressen heftig gebeutelt wurden, erklären ihre Solidarität mit Joachim Rissmann.

Es wäre doch ein Jammer, würde ein weiteres Haus mit Atmosphäre und Geschichte für Büros und Gewerberäume aufgemotzt und glatt gebügelt.

Wir unterstützen die Petition für den Erhalt des Hotels Bogota in der bestehenden Form und bitten Sie, dies ebenfalls zu tun. Zum Unterschreiben rufen Sie bitte den folgenden Link auf:

https://www.openpetition.de/petition/online/das-hotel-bogota-soll-leben

„…das Bogota soll leben wo es war, wo es ist, wo es in Zukunft sein soll“. Prof. Peter Raue 2013 (Tagesspiegel)

MEHR LESEN >> AUKTION ZUR RETTUNG DES HOTEL BOGOTA

Text: S. O. Beckmann
Fotos: Beat Presser