Roshi Porkar SS 2015: Avantgarde von baktrischer Urzeit

Roshi Porkar  SS 2015:  Avantgarde von baktrischer Urzeit

Roshi Porkar bezeichnet sich selbst noch als experimentierfreudige Anfängerin. Die junge Wienerin gewann kurz nach ihrem Studiumsabschluss 2013 den Chloé-Preis des 29. Festival International de Mode et de Photographie à Hyères. Und das zu recht.

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Sie arbeitete bei Lavin und sucht ihre Vorbilder in der Topszene der Modewelt, befasst sich mit Kunst und sucht auch dort ihre Inspiration bei den Künstlern, die neue Wege beschritten haben, wie Meret Oppenheim, die 1936 eine Tasse mit Pelz verkleidete und als surrealistisches Kunstobjekt deklarierte.
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Ihre Vorliebe und Faszination liegt in den Darstellungen baktrischer Prinzessinnen aus Urzeiten (v.4000 Jahren). Die archaischen Darstellungen aus Speck- oder Kalkstein sind so reduziert und geometrisch, dass ihnen eine moderne Zeitlosigkeit anhaftet.

Es ist AVANTGARDE

So formt Porkar, urzeitlich inspiriert, keine geschmeidigen Silhouetten, die sich anmutig um den Körper schmiegen. Kastige Formen faßt die Designerin nach japanischer Art mit breiten Stoffbinden und schmalen, mehrfach gewickelten Schlangenledergürteln(Imitat?) in der Taille zusammen. Breite ausgepolsterte Schultern sprechen eine andere Sprache als das, was gerade en vogue ist.

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Das muss sie auch nicht. So wie ihr künstlerisches Vorbild lebte – „Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen“(M. Oppenheim) – so kreiert Roshi Porkar ihre Kollektionen. Unabhängig von Trends zu entwerfen, gibt einem eben auch eine gewisse Freiheit.

Feste Wolle und durchscheinende Organza, Pelz(-imitat?), Felloptik, feste Steppstoffe und fließenden Satin setzt R. Porkar nebeneinander. Damit erzeugt sie eine interessante Linienführung der Silhouetten, die niemals geradlinig verläuft und immer Brüche erzeugt.
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Dafür ging sie ihren persischen Wurzeln auf die Spur. Porkar suchte in der Urzeit der Sumerer nach Mustern, Strukturen und Gewändern und mischt diese mit traditionellen Kleiderformen anderer Kulturen.
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Nuancierte Brauntöne mit wenigen hellblauen und mattgrünen Akzenten bestimmen die Kollektion. Ganz natürlich und ursprünglich bleibt Prokar den Urkulturen aus der Vorzeit verhaftet und setzt sie in ein modernes Heute.

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Was Elle und Mercedes Benz auf der Fashion Week Berlin fördern, ist bisher immer ein Highlight gewesen, das selbst die GROßEN Lokalpatrioten ausgestochen hat. Damit kommt endlich mal Bewegung in die Modeszene Berlins.

Text & Fotos: © S. O. Beckmann