Schuhalarm

Schuhalarm

Schaufenster/London. Sneaker aus Glühbirnen. Foto: © S. O. Beckmann

Richten wir unseren kritischen Blick doch mal auf unsere Schuhe. Wir sehen Schuhe, die uns gefallen, die vielleicht bequem sind, Schuhe, die wir lieben, weil sie eine Geschichte haben, weil wir uns damit größer, schöner und besonders fühlen.
Manchmal tragen wir Schuhe nur eine Saison, manchmal viele Jahre. Schuhe sind etwas Besonderes. Es gibt wenige, die Schuhen gar keine Beachtung schenken. Wir denken seltener darüber nach, woher unsere Objekte der Begierde kommen und was in ihnen steckt.

Dreck am Stecken
Über die Konstruktion hinaus hat der konventionell hergestellte Schuh mehr Dreck am Stecken als uns lieb ist. Denkt man nun über Nachhaltigkeit nach, ist an den meisten Fabrikschuhen aus Billiglohnländern wenig Gesundes zu entdecken.
Schuhe sind meist unter katastrophalen Bedingungen in Billiglohnländern hergestellt. Ist Leder nicht vegetabil gegerbt, wird es mit Chrome behandelt, um es haltbar und geschmeidig zu halten. Verseuchung von Wasser, Umwelt, Leder und Gesundheitsschäden durch Chrome VI und lösungmittelhaltige Kleber sind die Folgen von billigen Herstellungsprozessen zu Gunsten der Umsatzsteigerung von großen Unternehmen. Wir sprechen hier nicht nur von Lederschuhen. Outdoormaterialien und Kunststoffe sind nicht weniger betroffen. Sie sind meist Sondermüll. Was wenige wissen ist, dass dies nicht nur bei billigen Schuhen zutrifft.
Im Wesentlichen werden Schuhe unter dem Aspekt des Gefallens, des Preises und der Bequemlichkeit gekauft. Andere Kriterien wie Qualität und Produktionsbedingungen spielen eine zweitrangige bis gar keine Rolle.
Was im Material des Schuhs steckt, ist nicht nachvollziehbar. Es gibt ja keinen Beipackzettel, der über Risiken und Nebenwirkungen informiert.

Es gibt auch Alternativen
Was also tun, wenn man seinen Füßen Gutes tun und dabei auf Schönheit und Trend nicht verzichten möchte? Es gibt Alternativen wie Ökoschuhe, vegane Schuhe, ökologisch abbaubares Schuhwerk, ein hochwertig gut verarbeiteter Schuh oder auch den Maßschuh. Ein nachhaltiger Schuh ist auch dann schon nachhaltig, wenn er reparabel ist. Bis auf den Maßschuh sind Ökoschuhe nicht einmal so viel teurer als ein konventionell hergestellter Schuh in der Preisklasse um 150 €.

Der kompostierbare Schuh
Puma brachte erst im Mai 2013 den InCycle Basket auf den Markt. Der Sneaker ist kompostierbar und mit dem Label Cradle to Cradle ausgezeichnet. (Übersetzt: Von der Wiege zur Wiege-Konzept. Von dem Biochemiker Michael Braungart und dem Architekten und Designer William McDonough entwickeltes Konzept.)
Er wurde aus wiederverwertbarem, schadstofffreiem Material, CO2-neutral, mit erneuerbaren Energien und unter sozial-fairen Bedingungen hergestellt. Hier ist nicht nur der Schuh kompostierbar, auch die Verpackung ist nach dem Cradle to Cradle-Konzept hergestellt.

Damit trägt Puma nicht nur mit einem Schuh zur Nachhaltigkeitsentwicklung bei. Es gibt inzwischen eine kleine InCycle Collection, die wiederverwertet wird. Das ist immerhin ein edler Ansatz.
Als Marketingstrategie veröffentlichte das Unternehmen einen witzigen Trickfilm (Film anschauen >>), der das Cradle to Cradle System auch für Kinder wunderbar veranschaulicht. Nun kann nur gehofft werden, dass die InCycle Collection auch angenommen wird.
Wir berichten in den nächsten Wochen weiter über nachhaltiges Schuhwerk und stellen Ihnen Firmen und Labels vor, die alternative Wege beschritten haben.

incyclebasket_puma

MEHR ALTERNATIVEN: Der Superweiberschuh. MEHR LESEN >>

Text & Foto: © Susanne Beckmann