Scratches auf Bötzow

Scratches auf Bötzow

Scratches Abstraction 2008/IX, 2008 © Dominique Auerbacher Courtesy: Dominique Auerbacher

Diesmal geht es um Kunst. Genauer gesagt um entstehende Kunst aus einer Subkunst. Nämlich um die Zeichen derer, die ihre Kratzspuren und -zeichen auf Scheiben im öffentlichen Raum hinterlassen und damit allgemein großen Ärger verbreiten.

Man kann es auch positiv sehen und es die neue Art des Graffiti nennen. Auch sie wurden einst als Schmierereien bezeichnet – bis Modedesigner, Architekten und Wandgestalter die „Schmierereien“ als Dekorelemente in ihre Gestaltung mit einbezogen. Selbst der Kunstmarkt machte nicht vor ihnen Halt. Gute Graffitis werden inzwischen in Millionenhöhe gehandelt.

Wieso sollte es den Scratchern anders ergehen? Schließlich sind die Zeichen Ausdruck eines gesellschaftlichen Ist-Zustandes.

Die Künstlerin Dominique Auerbacher nutzt in dieser fotografischen Serie die meist unlesbaren Kratzereien mit einem Blick darauf und durch sie hindurch. Bilder einer Stadt – nämlich Berlin – in der auf fast jedem U-Bahnfenster, mindestens ein Scratching zu finden ist. Das Scratching an sich ergibt ja schon ein Bild. Das Bild der wechselnden Szene dahinter ergibt ein neues Bild. Beide vereinen sich in den Fotografien D. Auerbachers zu einer Momentaufnahme, einer Art dokumentarischen Fragments. Ein Scratching wird auf einer U-, S- oder auch Tram-Bahnfahrt immer wieder zu etwas Neuem mit einer neuen Aussage. Denn schließlich kommt es auch darauf an, was dahinter erscheint.

Scratches Abstraction 2009/VI, 2009 © Dominique Auerbacher Courtesy: Sammlung HGN

Scratches Abstraction 2009/VI, 2009 © Dominique Auerbacher Courtesy: Sammlung HGN

Scratches EM R5, 2008 © Dominique Auerbacher Courtesy: Sammlung HGN

Scratches EM R5, 2008 © Dominique Auerbacher Courtesy: Sammlung HGN

Dominique Auerbacher selbst bezeichnet diese Kratzspuren als ein „riesiges sozialästhetisches Gesamtkunstwerk“.

Zum ersten Mal werden Fotografien der Französischen Künstlerin in der Bötzow Brauerei in Berlin gezeigt. Damit feiert das Atelierhaus nach aufwendigen Umbauarbeiten Premiere.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Kosten 15,- Euro.

Ausstellungsdauer: 22. März 2014 bis 25. Mai 2014
Öffnungszeiten: Donnerstag — Samstag | 15 — 20 Uhr | Sonntag | 14 — 18 Uhr
Ort: Bötzow Berlin | Prenzlauer Allee 242 | 10405 Berlin
www.boetzowberlin.de

Text: © Camilla Beckmann