Sebastian Ellrich FW 16/17: Tonight we fly

Sebastian Ellrich FW 16/17: Tonight we fly

Drei Tage vor dem offiziellen Beginn der Mercedes Benz Fashion Week Berlin präsentierte Sebastian Ellrich seine Fall/Winter 16/17 Kollektion in einer Modeinstallation und sprach mit uns über die morbide Schönheit verwelkter Blumen, Fast Fashion und warum seine Mode zum Teil hochpreisiger ist, als die von Jil Sander.

In einer leerstehenden Berliner Altbauwohnung lud Sebastian Ellrich zum Fashion Get Together ein und stellte seinen Gästen eine Fall/Winter Kollektion vor, in der Frauen und Männer über den gesamten Tag stilvoll gekleidet sind. Egal ob im altrosa farbenen Wildseidenkleid zum Brunch oder Business-Like im Leder-Cape und Etuikleid finden Frauen bei Sebastian Ellrich den passenden Look für jeden Anlass. Die von ihm gewählte Farbpalette aus Pflaume, Rosé und Altrosa erinnert an die Schönheit von verwelkten Blumen, die auch nach deren Erblühen nicht an Wert verliert. Männer kleidet er in anthrazit bis schwarz gehaltene Jersey-Pullover und Wollhosen mit Strasselementen sowie graphit farbene Lederjacken und graue Wollmäntel.

 

Sebastian Ellrichs Kreationen sind von Dauer und seine Kundschaft kann sich an einzelnen Teilen bis zu 15 Jahre erfreuen. Heutzutage in Jahren in Bezug auf die Lebensdauer von Kleidungsstücken zu sprechen, ist fast eine Rarität. Deren Schnelllebigkeit beschreibt Sebastian Ellrich metaphorisch als Vergänglichkeit einer Blüte. Sie erstrahlt in voller Pracht und wenn man sich an ihr satt gesehen hat, muss schnell eine neue Blüte her, die man bestaunen kann. Für den Berliner Modedesigner ist das keine Option, denn für ihn sollen Qualität, eine lange Lebensdauer und handwerkliches Können in der Mode zusammenwirken. Im Gegensatz zu anderen deutschen Labels wie Jil Sander oder Hugo Boss lässt er seine Designs nicht in Asien fertigen, sondern in Europa. Das hat natürlich seinen Preis, aber sollte es uns das angesichts von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Hungerlöhnen in Dritte-Welt-Ländern nicht wert sein?

Sebastian Ellrichs Weg in die Welt der Mode führte ihn von einer Schneiderlehre auf die großen Bühnen dieser Welt, wo er als Kostüm- und Bühnenbildner für Theater- und Opernhäuser sowie Show und Tanz noch heute beruflich tätig ist. Nebenbei entwirft der gebürtige Magdeburger seit 2011 eigene Ready to wear Kollektionen unter seinem gleichnamigen Label.

Text: Jenny Kolossa
Fotos: Susanne Beckmann