Stephan Hann – Couture Remixed

Stephan Hann –  Couture Remixed

Mode, Kunst oder Design – Recycled Material – Remixed Fashion
Zeitgenössische Kunst, avantgardistische Mode oder recyceld Design – es ist nicht so genau zu definieren und hängt sicherlich von der Art und Weise der Betrachtung ab.

Genau so wenig lässt sich Stephan Hann in eine konkrete Kategorie wie Künstler, Modemacher, oder Kostümbildner einordnen. Dafür sind seine so genannten Modeobjekte zu sehr Mode, weil tragbar – zu viel Kunst, ob des Materials und der dahinter stehenden Aussage, zu viel Kostüm oder zweckgebundenes Marketing-Design.

Wo setzt man also an um zu beschreiben, was auf einen zukommt begegnet man der Couture Remixed von Stephan Hann. Der Betrachter benötigt ja meist eine vorgefertigte Interpretation der Exponate, um zu verstehen, was der Künstler gemeint haben könnte, damit er nicht ganz falsch liegt.

Der erste Blick: Hier ist Mode. Die Silhouetten schöner Kleider, die Farben und Formen suggerieren Eleganz, Opulenz, Extravaganz und ein wenig Futurismus mit der Reminiszence an vergangene Modeepochen.
Der zweite Blick: Da stimmt was nicht. Das Material. Die Oberflächen und Strukturen sind aufwendig und handwerklich perfekt genäht, gesteppt, gefaltet, gebogen, gewickelt, geheftet, gewebt, gehäkelt. Aber – das Licht reflektiert auf ungewöhnliche Weise.

Papier und Folienkleider

Papier und Folienkleider

Stephan Hann „Couture Remixed“

Und hier beginnt die Reise in die unikaten Modeobjekte des Stepahn Hann. Seine „Couture Remixed“ ist eine Symbiose aus dem Recyceln von maschinell gefertigtem Gebrauchsmaterial, dem Aufgreifen von Formen vergangener Modeepochen, in handwerklicher Perfektion zu einem Neuen kreiert.
Gleichzeitig lenkt Stephan Hann einen kritischen Blick auf den Umgang mit Gebrauchtem in der Zeit einer nie da gewesenen, verschwenderischen Materialfülle.

Inspiration ist das Material, für das der ehemalige Modedesignstudent und gelernte Maßschneider immer eine adäquate Verarbeitungsweise findet. Als Nutznießer der Wegwerfgesellschaft entzieht S. Hann dem „Stoff“ aus dem die Kleider sind seine ursprüngliche Funktion, indem er ihn in einen neuen Kontext setzt. Das Material wird neu definiert. Profane Verpackung wird zu glamourösem Stoff, die sich in tragbarer Eleganz wieder findet.

Bei der Betrachtung der Modeobjekte bleibt nicht aus zu denken, wie viel Müll muss ein Mensch sammeln um diese opulenten Extravaganzen zu kreieren. Sektkorken, Etiketten, Tetrapaks, Celluloidstreifen, Architekturpläne, Alupapier, Rosenblätter, Druckerpapier, Plastikfolie, Polyäthylenstreifen, Zeitungspapier, Tapestreifen, Paketband usw. werden zum Stoff. Natürlich bedient er sich da nicht immer dem Gebrauchten, sondern erhält die Materialien von seinen Auftraggebern, die sich seiner Objekte als Werbeträger bedienen.

Neben Verpackungen sind Flohmarkterrungenschaften wie historische Kleidungsstücke, Stofftaschentücher, Materialien, die Verwendung für Kreationen und Ensembles finden.

Portemonaiekleid, Tetrapakkleid

Portemonaiekleid, Tetrapakkleid

Militärgeldbörsen werden zu einem mädchenhaften, modernen Kleid mit Sexappeal. Hier wird, deutlich wie er Material wählt und wie tiefsinnig und humorvoll S. Hann mit der Wandlung eines Dings oder Stoffs einen neuen Charakter schafft.

Schon als Schüler begann Stepahn Hann seine extraordinären Modeobjekte aus Papier in Kombination mit Stoff zu kreieren, da sein Budget nicht für ausgefallene Stoffe ausreichte. Er ist bei gefundenem Gebrauchsmaterial geblieben und beweist, dass man aus Seiten ausgedienter Telefonbücher, Comicheften, Zeitungen, Architektenplänen wunderbar opulente Abendroben fabrizieren kann und dabei noch den Aspekt des Wiederverwertbaren in die Welt des LUXUS hebt.

Firmen wie Lexmark beauftragten ihn Kleidung aus bedrucktem Papier, Folien und Kunststoff zu entwerfen, um diese als Abbildung für so genannte Printexamples zu verwenden.

Schauspieler trugen seine Celluloidkleider zu Filmpremieren und -festivals. Für LouLou de La Falaise entwarf er eine tragbare Kollektion aus gehäkeltem Seemannsgarn und für Swarovski entwirft er edle Luxusaccessoires.

Er zeigte seine Kleider auf Modenschauen in Moskau und Berlin. Zur Zeit stellt der Designer seine Modeobjekte unter dem Titel MODE MEDIUM MATERIAL, in Karlsruhe bis 9.6.2013 im Museum am Markt aus.

Text und Foto: © S. Beckmann/Modesearch