Tattoo: Hautkunst für Hamburg

Tattoo: Hautkunst für Hamburg

Kunst, so vielseitig wie ihre Träger

 

Anker, Herzen Pin-up-Girls – die deutsche Tattooszene boomt und nicht erst seit das berühmte Jungbluth Studio aus Hamburg auf DMAX anlief. Pro Jahr werden in Deutschland rund 2 Millionen Tattoos gestochen, ein Trend, der im wahrsten Sinne unter die Haut geht. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich dieser alten und noch immer lebendigen Kulturtechnik in der Ausstellung „Tattoo“, rückt den Körperkult in den Fokus von Kunst und Design, stellt internationale Positionen vor und greift aktuelle Diskussionen auf.

Weltweit nutzen viele Kulturen die menschliche Haut als Bildträger. Man denke an die Gesichtstätowierungen der Chin-Frauen in Birma, ein Ritual, das den Übergang von der Kindheit zur Welt der Erwachsenen darstellt. Auch die Tattoos in den Gesichtern der neuseeländischen Maori geben Auskunft über die soziale Stellung und Familienzugehörigkeit. Sakrale Tattoos sind hingegen in Thailand zu finden – Sak Yant genannt. Sie dienen als Schutz vor Unglück und als Unterstützung für ein moralisch korrektes Leben. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der Körperschmuck im kriminellen Milieu zu einem geheimen Zeichencodex.

Während der Hamburger „Tattoo“ Ausstellung vom 13. Februar bis 6. September 2015 werden unter anderem die fotografischen Arbeiten des französischen Filmemachers Christian Poveda gezeigt, der die stark tätowierten Mitglieder der lateinamerikanischen Gangs „Mara Salvatrucha“ und „M-18“ ablichtete. Ebenso vertreten sind die Werke des Österreichers Klaus Pichler, der die gegenwärtige Bedeutung von Gefängnistätowierungen analysierte und einen fotografischen Einblick in Formen der Haftbewältigung innerhalb des Strafvollzugssystems bietet. In Zusammenarbeit mit Hamburger Tätowierer/innen und Grafikdesigner/innen entstand zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung.

Die Liebe zu dieser jahrtausendealten Kunstform des Tattoo verbindet noch heute Menschen rund um den Globus und wird auch im Leben der kommenden Generationen Platz finden. Umfangreiche Arbeiten und vielseitige Aussteller werden den Besuchern mit Sicherheit ein breit gefächertes Wissen darüber bieten, was es heißt, den menschlichen Körper als Kunstobjekt zu nutzen.

Text: © Jenny Kolossa
Fotos: © Jens Uwe Parkitny, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg