MUSTERSCHÜLER: Von Farbe, Mustern und Stoffen

MUSTERSCHÜLER: Von Farbe, Mustern und Stoffen
Fertige Kreationen der HTW-StudentInnen mit eigenen Digitalprints auf Panama und Seide

 

Eine gut konzipierte Ausstellung „MUSTERSCHÜLER“ der HTW Berlin StudentInnen zeigt nicht nur Mode, sondern auch den Weg vom einfachen Stoff zum avantgardistischen Modedesign, was mit Seide alles möglich ist und wie Stoffgestaltung bis zur Dreidimensionalität auf digitalem Wege funktioniert.

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Stoffproben auf Panama (=dicht und fest gewebte Baumwolle; gleicht einer Leinwandbindung)

 

Stoffe zu kaufen und einfach etwas daraus zu nähen, ist heute nur ein Teil der Herausforderung, der sich Modedesigner stellen. Vor digitalen Zeiten – und das ist noch nicht einmal so unglaublich lange her – bediente man sich von dem, was Stoffdesigner auf den Markt brachten. Höchsten Siebdruck im Rapport war eine Möglichkeit der Selbstgestaltung des Materials für eine kleine exquisite Serie. Oder Seidenmalerei für ein Unikat.
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Stoffmuster als Inspirationsquelle

 

Heute sind die Möglichkeiten für Modedesigner weitaus vielfältiger. Allein die technischen Innovationen der letzten Jahre im Stoff- und Stoffprintbereich machen es Modedesignern möglich, über ihren eigenen Kleiderentwurf hinaus, eine ganz eigene Stoffkreation für ihre Entwürfe zu entwickeln und zu realisieren.

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Die HTW Berlin bietet diese Voraussetzung in eigenen und vor allem sehr gut ausgestatteten Werkstätten und der zu selten möglichen interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche, die sich auch im entferntesten mit Stoff und Mode befassen.
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Digitaldruck: Stoffentwürfe auf Grundlage historischer Stoffmuster

 

In fachübergreifenden Projekten wird hier zusammengeführt, was zusammengehört. Neues textiles Flächendesign entsteht auf Grundlage historischer Stoffmuster, aus dem fast vergessenen Bestand der hochschuleigenen Stoffmusterbücher. Die wurden kürzlich erst auf dem Dachboden wieder gefunden und nun von den StudentInnen der Museumskunde archiviert und digitalisiert. Diese historischen Inspirationsquellen werden nun von den Modedesignern auf ganz eigene, moderne Weise interpretiert, Neues wird assoziiert und gestaltet.

Photoshop machts möglich
Zunächst entwickeln die Studenten in Zeichnungen, Malereien, Skizzen, Farb- und Naturstudien und schließlich setzen sie in Photoshop die Flächengestaltung der Textilien auf digitalem Weg um.
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Dabei sind heute nicht nur eingängige Rapportmuster (sich wiederholende Muster), Spiegelungen, Übereinanderlagerungen und Transparenzen möglich – auch auf den Schnitt angepasste Designs können umgesetzt werden. Dabei werden zunächst die Schnitte eins zu eins digitalisiert, worauf dann der Entwurf projeziert wird. Es ist also möglich, an den Schultern ein anderes Muster anzulegen, als am Verlauf des Armes und des Torso. Oft sehen die Stoffe aus, wie auf den Körper angepasste Kunstwerke.

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So einfach ist es dennoch nicht, denn nicht jeder Stoff ist geeignet für jedes Printverfahren. Die Farbqualität muss auf Haltbarkeit geprüft werden. Aber auch verschiedene Materialien zu kombinieren, ist nicht so ganz ohne Probleme behaftet. Hier kommen die Bekleidungstechniker ins Spiel. Sie prüfen, ob verschiedene Materialien miteinander verbunden werden und der alltäglichen Belastung, wie waschen und Abrieb standhalten können.
Auch dreidimensionale Applikationen auf Kleidern sind heutzutage anders möglich als durch aufwändiges Drapieren. Genau positionierte Lochmuster werden ausgelasert und nicht mehr wie einst, in Handarbeit gestanzt.

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Diese digitalen Techniken, ermöglichen den StudentInnen nun unendlich viele Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen, nicht nur mit Stoff zu arbeiten sondern auch am Stoff.

In Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Modedesign, Bekleidungstechnik, Kommunikationsdesign und Museumskunde stellte sich die HTW im Rahmen der Werkschau 2014 mit dem Projekt „MUSTERSCHÜLER“ vor. Und es ist gelungen – die Wege zum Ziel und einem gut durchdachten Ausstellungskonzept der Mode mal hinter die Silhouette zu schauen.

Text & Fotos: S. O. Beckmann