What about shoes

What about shoes

ADIDAS SNEAKER Foto: S. O. Beckmann

Schuhmesse in Berlin macht der GDS in Düsseldorf Konkurrenz

Mit der neuen Schuhmesse what about shoes setzen die Initiatoren Ben Hering und Miro Neumann neue Maßstäbe in Sachen Schuhe. Die ersten Berlin Shoe Days setzen den Focus auf das, was unsere Füße tragen, nämlich Schuhe. Mit einer Ausstellung, Workshops, Modenschau stellen sich 80 Labels, u. a. viele Newcomer im Berliner Postbahnhof in Friedrichshain vor.

Die Idee kam Hering und Neumann, da sie als Einzelhändler auf der GDS nichts entsprechend zeitgemäßes, junges Schuhdesign finden konnten. Zwei Jahre Planung waren nötig das Event auf die Beine zu stellen und eine Alternative zur GDS zu schaffen. Der Fokus liegt auf jungem Design außerhalb des Mainstream. Dementsprechend viele knallige Sneaker wurden auf der Messe gezeigt. Aber auch handmade Labels, die mit kleinen Auflagen auf Qualität setzen, präsentierten sich.

Ganz bewusst wählten die beiden Organisatoren den Termin außerhalb der Modewochen, um einen konzentrierten Blick auf junges Schuhdesign zu lenken. Jung bedeutet auch Förderung der meist noch am Anfang stehenden Labels, denen auf der Messe ein Sonderstatus gebilligt wird.

Begleitend zur Messe konnten Hering und Neuman Liza Snook als Kuratorin des virtuell Shoemuseums für eine kleine aber ausgewählt feine Schuhausstellung internationaler Schuhdesignern gewinnen, die aus ihrer Sammlung sehr experimentelles Schuhwerk präsentierte. Die ehemahlige Grafikerin wirkte im letzten Sommer als Co-Kuratorin im Grassi Museum Leibzig bei der Ausstellung „Starker Auftritt“ mit und bestückt mit ihren Exponaten weltweit Ausstellungen zum Thema Schuh.
Schuhe von Iris van Herpen, Amsterdam

Schuhe: (rechts) Iris van Herpen, Leihgabe von Liza Snook, Foto: S. O. Beckmann

Die Veranstaltung zeigt, dass der Schuh nicht nur von Nutzen ist, sondern immer schon ein Objekt der Begierde war und ist. Sie verdeutlicht, dass Schuhe mehr und mehr in den Mittelpunkt der Bekleidung rücken und nicht mehr nebensächlich als notwendiges Accessoire behandelt werden wollen. Die Ansprüche der Kunden nach außergewöhnlichem Schuhwerk werden lauter, was von vielen jungen Labels und jungen Einzelhändlern aufgenommen wird.

Sneakers und nachhaltiges Schuhwerk bildeten in den drei Tagen somit auch den Schwerpunkt. Der anspruchsvolle Kunde bekennt sich zu Qualität, Stil und Farbe. Die Messe zeigt auf erfrischende Weise, wohin der Schuh uns führt.

Nachhaltig bedeutet hier nicht unbedingt „Öko“.

Das Label „ABIGAIL“ lässt seine Entwürfe ausschließlich in kleinen Handwerksbetrieben herstellen, in denen die Schuhe auch verkauft werden. Tamy Potasz Copat ist eigentlich Architektin. Vor ein paar Jahren sattelte sie um ins Schuhdesign. „Schuhe zu konstruieren ist eine dankbarere Aufgabe als Häuser zu bauen“ sagt sie. Die Konstruktion ist allerdings ähnlich. Einen Schuh zu konstruieren, der gut aussieht, dazu sexy und bequem ist, stellt schon eine Herausforderung dar. Die Liebe liegt im Detail und in eigenwilligem Farbmix.

Die Französin polnisch-brasilianischer Herkunft versucht sich hier in Berlin mit ihren limitierten Auflagen einen Markt zu erschließen. Da stehen ihre Chancen gar nicht so schlecht. Denn ihr Konzept basiert u. a. darauf, dass Sie sich mit ihren Entwürfen auch dem territorialen Bedürfnissen anpasst. Für Brasilien stellt sie mehr Sandalen her, für Nordeuropa eher wetterresistentere Schuhe.
www.byabigail.com

Das Hamburger Label ninetofive zeigt, daß Öko eben auch schick sein kann. Als sustainable elegance bezeichnet Sandra Schittkowski ihre Kollektion. Aus vegetabil gefärbtem Kalbssleder stellt sie Frauenschuhe und -Taschen für den ganzen Tag her. Auch hier steht im Fokus die moderne, berufstätige Frau, die einen Absatzschuh den ganzen Tag tragen kann und dabei gut aussehen möchte.
ninetofive.biz

Auch Männer sind stilvoll und trendbewusst. Rancourt & Co zeigte eine Auswahl von Schuhen ausgesprochen hoher Qualität aus den USA. Boots, Mokassins und Broques, rahmengenäht aus hochwertigem Leder mit einer kleinen Kollektion von Taschen und Accessoires für den Mann.
Shoestar Abigail_, Foto: S. O. Beckmann

Schuhe: Shoestar und ABIGAIL, Foto S. O. Beckmann

Trends wie P-L-D-M by Palladium, Shabbies Amsterdam, Dr. Martens fehlten hier nicht. Neben einer großen Anzahl junger Berliner Newcomer zeigten aus ganz Europa Labels, was angesagt ist. Eben Sneakers bildeten hier den Schwerpunkt. Bleibt abzuwarten, ob der Sneaker nach der Jeans der Schuh für alle Generationen, vom Low Budget bis zum High End, zu jedem Outfit tragbar, gesellschaftsfähig wird. Das ist er eigentlich schon. Das zeigt die Bandbreite der Aussteller in diesem Segment. Vielleicht gibt es demnächst auch eine Messe nur für Sneaker parallel zur Bread & Butter, die ja ursprünglich der Jeans gewidmet war.

what about shoes

Text und Fotos: S. O. Beckmann