Zerbrochen auf Spitze. Mariana Jungmann FW 16/17 – DESHECHO

Zerbrochen auf Spitze. Mariana Jungmann FW 16/17 – DESHECHO

Der letzte Tag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin wird traditionell von jungen, aufstrebenden Labels beherrscht – die brasilianische Newcomerin Mariana Jungmann ist eine von ihnen.
Bekannt ist Mariana Jungmann in ihrer Heimat durch ihren besonderen Umgang mit Spitze. Spitze ist das Material, das sie liebt und immer wieder auf neue Weise mit anderen Stoffen – hauptsächlich Leder – kombiniert, ihr eine neue Textur gibt und dem traditionell romantisch anmutenden Material ein neues Image verleiht.

Die Arbeiten der Künstlerinnen Frida Kahlos und Monica Pilonis gaben der jungen Designerin die Inspiration für die FW 16/17 Kollektion, die sie DESHECHO nennt – übersetzt – zerbrochen. Dieses Zerbrochene, man kann es interpretieren wie man will, spiegelt sich in der Textur der Spitze wieder, die explizit für Mariana Jungmann im Norden Brasiliens hergestellt wird. Wenn man bedenkt, dass sowohl Frida Kahlo als auch M. Piloni in ihren Arbeiten die innere Zerbrochenheit des Menschen thematisieren, so kann man das in Marianas Kollektion nicht auf den ersten Blick feststellen. Fest steht, dass die Ready to Wear Kollektion FW 16/17 nicht in die Tradition der romantisch, sommerlich, verspielten Mode Brasiliens einzuordnen ist. Mariana Jungmann spricht eine andere Sprache. Da mag ihre Studienzeit am Londoner College of Fashion Einfluss üben.
Für die neue Kolletion entstanden zum einen körperbetonte aber auch kastenartige, sehr feminie Kleider. Weite elegante Hosen kombiniert M. Jungmann mit kurzen Oberteilen aus grafisch gezeichneter Spitze und Lederapplikationen. In allen Kollektionsteilen bricht Mariana Jungmann Stoffe auf und fügt Spitzeneinsätze in Form von Schlitzen, Schnüren, Plissees oder auch grafisch gezeichneten Linien ein.
Mariana Jungmanns Markenzeichen, typische Renaissance Spitze, die in ihrer Musterung geometrisch aufgebaut ist, verwendet sie an den Ärmeln von Kleidern, als Paspel oder setzt sie seitlich an Hosenbeinen im Smokingstil an. Couturig anmutend zeigt Mariana Jungmann transparente, schwarze Kleider aus Spitze, die mit tausenden, von Hand aufgenühten Swarovski-Steinen versehen sind.

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Rundum ist DESHECHO eine sehr eigenwillige Kollektion, die sich mit tiefgründigen Themen des Menschen und der Zeichensprache Kahlos auseinandersetzt. Das hat schon etwas sehr Intellektuelles, gibt der Kollektion eine künstlerische, eigene Zeichensprache. Daraus entstehen eigene Silhouetten und neue Texturen. Speziell und gar nicht angepasst. Herzlichen Glückwunsch. Gratulação!

Text: Nina Schmidt/S. O. Beckmann
Fotos: Rafael Poschmann